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Digitale Welt
braucht digitale Bildung

Die Beteiligten des Bildungsforums beim Gruppenbild (von links: Dr. Martin Pott (HWK Wiesbaden/Leiter des Netzwerks Bildung), Prof. Dr. Marianne Friese (Justus-Liebig-Universität Gießen), Claudia Wehrle (hr info), Alexander Sperl (Justus-Liebig-Universität Gießen), Dr. Gerd Hackenberg (IHK Lahn-Dill), Tino Zenker (Brüder-Grimm Schule Gießen), Kerstin Gromes (Staatliches Schulamt Gießen-Vogelsberg), Stefan Deibel (Lück Gruppe), Terence Hielscher (MoBerries GmbH), Jens Ihle (Regionalmanagement Mittelhessen GmbH), Sabine Köhler-Lindig (Gießener Anzeiger)

Mittelhessen positioniert sich auf dem 5. Bildungsforum als „Bildungsregion 4.0“

Ob in Schule, Hochschule oder der betrieblichen Ausbildung, die Bildung müsse der Entwicklung hin zur Digitalisierung folgen. Darin waren sich die Experten beim 5. Mittelhessischen Bildungsforum einig, das vor kurzem auf Einladung des Netzwerks Bildung im Regionalmanagement Mittelhessen stattfand. Den über 100 Fachleuten, die im Hauptgebäude der Justus-Liebig-Universität zusammen gekommen waren, war aber auch klar, dass dies nur funktionieren kann, wenn von Anfang an Medienkompetenz aufgebaut und von allen Beteiligten gelebt wird. Das Bildungsforum war in seiner vernetzender Funktion ein erster Schritt zu einer „Kompetenzregion Bildung 4.0“.

„65 Prozent der heutigen Schulkinder werden in Jobs arbeiten, die es heute noch gar nicht gibt“, berichtete Terence Hielscher vom Berliner StartUp MoBerries GmbH über eine Studie und warf damit einen Blick in die Zukunft von Bildung: „Weil es so schnell veraltet, können wir gar kein technisches Wissen vermitteln, entscheidend ist das kulturelle Wissen“. Um das zu üben, plädierte er für fachübergreifende Team-Projektarbeiten an Schulen; statt nachzuahmen komme es darauf an, selbstständig denken und bewerten zu üben. Hielscher zeigte überdies Trends, die in anderen Ländern längst Wirklichkeit sind wie personalisiertes Lernen, das unabhängig vom Ort des Lernenden stattfinden kann. Er prophezeite, dass bereits im Jahr 2020 digitale Intelligenz Bewerber besser bewerten könne als Menschen.
Dass die digitale Arbeitswelt auch vor Ort Einzug längst gehalten hat, zeigten drei heimische Praktiker. Claudia Coburger-Becker vom Regierungspräsidium Gießen berichtete, dass die Einführung der digitalen Akte nicht nur auf Gegenliebe gestoßen ist. „Mit ihr geht es aber für alle Beteiligten schneller und leichter, und ermöglicht eine viel bessere Kommunikation mit Bürgern“. Das neue System habe gezeigt, dass die Kompetenz wichtiger als die Technik sei. Diese Erkenntnis bestätigte Dr. Max Rempel vom Mittelhessischen Druck- und Verlagshaus: „Die Zukunft erfordert Datenkompetenz, kombiniert mit logischem Denken.“ Nicht zu vergessen sei jedoch aus seiner Sicht das wirtschaftliche Grundverständnis, Offenheit und Lernbereitschaft. Diese Eigenschaften sind auch in der Lück Gruppe gefragt, über die Stefan Deibel berichtete, dass die Bereitschaft zur Digitalisierung völlig altersunabhängig sei: „Unsere sechzigjährigen Handwerksmeister sind Vorreiter, wenn es darum geht, Neues auszuprobieren“ Trotz aller Digitalisierung sei das gemeinsame Voneinander-Lernen vor Ort aus seiner Erfahrung unverzichtbar.

In vier Foren kamen die Teilnehmer aus Schule, Hochschule, Aus- und Weiterbildung sowie Medien aus ganz Hessen übereinstimmend zum Ergebnis, dass Bedien-Kompetenz der Nutzer ebensowenig ausreiche, wie alle Räume mit Technik auszustatten. Dr. Manuel Lösel, Staatssekretär im Hessischen Kultusministerium erklärte: „Wenn wir Schulen mit Breitband und Smartboards versorgen, muss auch das gesamte Kollegium fit gemacht werden. Denn der einzelne Lehrer bleibt in der Schule der entscheidende Faktor.“ Die von den Fachleuten des Netzwerks Bildung moderierten Foren zeigten insbesondere eine große Bereitschaft zum Austausch über die Grenzen der eigenen Institution hinweg. Dr. Gerd Hackenberg von der IHK Lahn-Dill, der das Bildungsforum zusammen mit einem Arbeitskreis vorbereitet hatte, erklärte: „Wir müssen uns und die Schüler, Auszubildende und Studierende auf die digitalisierte Welt vorbereiten. Das Wissen ist inzwischen jederzeit verfügbar, wir müssen jetzt an den Kompetenzen arbeiten, um in der digitalisierten Arbeitswelt bestehen und diese aktiv gestalten zu können.“ Der Leiter des Netzwerks Bildung, Dr. Martin Pott von der Handwerkskammer Wiesbaden bot der Politik, aber auch den Bildungsträgern die Zusammenarbeit an: „Wir haben heute den Grundstein für ein „Kompetenzzentrum Bildung 4.0“ gelegt. Mit unserem Netzwerk haben wir die strukturellen Voraussetzungen, um Pilotprojekte im Bereich Medien- und Vermittlungs-Kompetenz zu beginnen.“

Alexander Sperl von der Justus-Liebig-Universität Gießen und Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing von der Philipps-Universität Marburg stellten in Ihrem Forum fest, dass der Stellenwert von Lehre in den Hochschulen ausgebaut werden kann. „Die Hochschulen bilden die Lehrer der Zukunft aus, die die Schüler der Zukunft ausbilden“, wies Sperl auf die Wichtigkeit der Hochschulen für die Bildungslandschaft hin. „Technisch sind wir gut ausgestattet“, erklärte Kerstin Gromes vom Staatlichen Schulamt Gießen-Vogelsberg, die Herausforderung bestehe in der Förderung der digitalen Kompetenz von Lehrkräften. Tino Zenker, selbst Lehrer an der Gießener Brüder-Grimm-Schuledie sieht Vorteile für die digitale Bildung: „Die schnelle Rückmeldung und die Individualisierung sind viel leichter als beim Frontalunterricht im Klassenverband.“ Einen weiteren Aspekt ergänzte das Forum rund um die Aus- und Weiterbildung: „Zur digitalen Bildung gehören auch das Wissen um Datenschutz und die Förderung des lebenslangen Lernens“, betonten Dr. Hackenberg und Prof. Dr. Marianne Friese von der Justus-Liebig-Universität Gießen in der von Claudia Wehrle (hr info) moderierten Abschlussrunde, die Medienkompetenz stehe aber im Mittelpunkt. „Dazu gehört auch der kritische Umgang mit Medien“, forderte Sabine Köhler-Lindig vom Gießener Anzeiger. Das Einordnen sei weniger eine Frage des Alters, sondern vielmehr des Bildungsstandes. „Damit kann man nicht früh genug beginnen!“