Background Image

Mehr Deutschland-Stipendien
aus der Region für mehr Fachkräfte

Gemeinsame Kampagne für mehr Deutschlandstipendien aus Mittelhessen: Monika Stöckl (THM), Iris Rubinich (UMR), Manuel Giorgis (DIE MARKETINGPROFILER), Stella M. Henne (JLU), Manuel Heinrich (Regionalmanagement Mittelhessen, v.l.n.r.)

Neue Kooperation der Mittelhessischen Hochschulen und Regionalmanagement

Mit dem Ziel, die Zahl der Deutschlandstipendien aus der Region für Studierende an den drei mittelhessischen Hochschulen zu erhöhen, kooperieren die Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU), die Philipps-Universität Marburg (UMR) und die Technische Hochschule Mittelhessen (THM) mit dem Regionalmanagement Mittelhessen. Die gemeinsame Ansprache erfolgt erstmalig mit einem neu konzipierten Faltblatt und einer Kampagne: „Wir wollen das von der Bundesregierung kofinanzierte Stipendienprogramm bei Bürgern, Unternehmern und Ehemaligen noch bekannter machen, um weitere Stifter aus der Region zu gewinnen,“ erklärt Stella M. Henne, die Ansprechpartnerin an der JLU. „Die Investition in Köpfe lohnt sich: jeder Euro, den ein privater Förderer gibt, wird vom Bund verdoppelt“, betont Iris Rubinich, Fundraiserin der UMR. Monika Stöckl von der THM ergänzt: „Schon mit 150 Euro im Monat entsteht so ein Stipendium von 300 Euro, und die Stifter bestimmen, in welcher Fachrichtung oder welchem Studiengang die Förderung vergeben wird.“

Zahlreiche mittelhessische Unternehmen, aber auch mit „ihrer“ Hochschule verbundene Einzelpersonen haben sich bereits dafür entschieden, im Jahr 2017 insgesamt 139 Stipendien zu finanzieren und damit einer künftigen Führungskraft zu ermöglichen, sich auf ihr Studium zu konzentrieren. Einer davon ist Maik Luu, der an der Philipps-Universität studiert und nebenher in Marburg als Sushi-Koch gejobbt hat. Der 22-jährige leistungsstarke Student arbeitet mittlerweile an seiner Doktorarbeit und sagt: „Das Deutschlandstipendium hat mir die essentielle Sicherheit gegeben, um die nächste Etappe vorauszuplanen.“

Die Gestaltung des Faltblattes hat die Agentur „DIE MARKETINGPROFILER“ aus Gießen übernommen, deren Geschäftsführerin Manuela Giorgis erklärt: „Als regional verwurzelte Unternehmerin unterstütze ich die Vertriebs-Kampagne gerne mit meinem Know-How.“ Entstanden ist die Idee für die Zusammenarbeit im Netzwerk Wirtschaft des Vereins Mittelhessens. Hier treffen sich zweimal jährlich die Vereins-Mitglieder zum Austausch und Netzwerken unter der Leitung von Klaus Rohletter, Vorstandsvorsitzender der Limburger Bauunternehmung Albert Weil AG. Er hat das Projekt als Sponsor unterstützt und das Engagement des Regionalmanagements ist ihm eine Herzensangelegenheit: „Ich sehe das gemeinsame Werben als Teil der Arbeit für die Sicherung von Fachkräften in der Region!“ Für die drei Hochschulen dankte Prof. Dr. Katja Specht dem Regionalmanagement: „Das Deutschlandstipendium bietet Unternehmen der Region die Chance, hochqualifizierte Studentinnen und Studenten der heimischen Hochschulen zu fördern. Das Regionalmanagement Mittelhessen ist für uns der ideale Partner, um weitere Förderer zu gewinnen“, sagte die THM-Vizepräsidentin für Studium und Lehre.

Der Kontakt zu den Spitzenkräften von morgen wird immer wieder als Grund genannt, ein Stipendium zu finanzieren, insbesondere ehemalige Hochschulangehörige haben so die Möglichkeit, ihre Verbundenheit mit der Hochschule auszudrücken. Das Stipendium wird einkommensunabhängig vergeben und für mindestens zwei Semester nach bestimmten Kriterien bewilligt. Die Kofinanzierung erfolgt aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), eine Bewerbung für die nächste Vergaberunde zum Wintersemester 2017/18 ist im Sommer 2017 möglich.

Hintergrundinformation: Zahl der Deutschland-Stipendien 2017 (überwiegend aus Mittelhessen)
Justus-Liebig-Universität Gießen: 39
Philipps-Universität Marburg: 36
Technische Hochschule Mittelhessen: 64
Summe: 139

Informationen zum Deutschlandstipendium an den drei Hochschulen: http://www.mittelhessen.eu/deutschlandstipendium

Workshop zur Gewinnung
von Mitarbeiter/innen

Im Bild: Wissenschaftlerin Ilka Brenner von der Justus-Liebig-Universität berichtet über ihre Untersuchungen zum Thema Teilzeitausbildung

„Stille Reserven“ werden Sie von Einigen genannt, Andere sprechen lieber von „ungenutzten Potenzialen“: Nach Meinung von Experten könnte Betrieben bei der Suche nach Fachkräften mehr qualifiziertes Personal zur Verfügung stehen, wenn sie vorhandene Möglichkeiten besser ausnutzten. Wie dies gehen soll, war Thema eines Workshops für Unternehmen am Dienstag vergangener Woche (14.3.17) in Limburg. Das Netzwerk Bildung im Regionalmanagement Mittelhessen hatte Vertreterinnen und Vertreter mittelhessischer Betriebe eingeladen, um mit verschiedenen Institutionen neue Wege zur Gewinnung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu erörtern. Auf der Tagesordnung standen insbesondere die Themen Berufsrückkehr, Teilzeitausbildung und Nachqualifizierung – auch anhand konkreter Praxis-Beispiele.

34 Prozent der hessischen Unternehmen litten einer Studie der Personalberatung Robert Walters zufolge unter einem Mangel an Fachkräften, stellte Eleonore Falchi, Leiterin der Personal- und Organisations-Entwicklung bei Mundipharma, zur Begrüßung der Workshop-Teilnehmer fest. Das Limburger Pharma-Unternehmen hatte die Rolle des Gastgebers übernommen. Der gleichen Studie nach verfolgten 51 Prozent der Unternehmen bereits einen Plan, um diesem Mangel entgegenzuwirken – meist durch interne Weiterbildungen, flexiblere Arbeitsverhältnisse und höhere Gehälter. Die meisten der Ansätze, die im Workshop zur Sprache kamen, kommen in dem Papier hingegen nicht vor – mit einer der Gründe für die Organisatoren, Vertretern aus Kommune, Wirtschaft und Hochschule, das Thema auf die Tagesordnung zu heben. Für Jens Ihle, Geschäftsführer der Regionalmanagement Mittelhessen GmbH (RMG), ist der Workshop daher auch ein „gutes Beispiel mittelhessischer Kooperationskultur“.

Manfred Weber von der Handwerkskammer Wiesbaden hat eine Erklärung: „Viele Unternehmen wissen nichts von der Möglichkeit.“ In seinem Fall von der Möglichkeit der Teilzeitausbildung. Dabei geht es um Menschen, deren „persönliche Situation eine klassische Ausbildung verhindert“. Von den rund 8700 Ausbildungsverträgen in Hessen beträfe das genau 43. Dabei machten die Unternehmen mit dieser Art der Fachkräfte-Rekrutierung gute Erfahrungen: „Unternehmen, die diesen Weg gegangen sind, bieten wieder solche Verträge an“, berichtete Weber. „Unsere Studien haben ergeben, dass es Informationsbarrieren bei Arbeitgebern und Arbeitnehmern gibt“, fügte die Berufspädagogin Ilka Benner von der Gießener Justus-Liebig-Universität hinzu.

Die Unternehmerin Annita Herrmann hat die Entscheidung zur Teilzeitausbildung „nicht bereut“ (mehr dazu in diesem Beitrag): Ihre Auszubildende Christina Perea ist mittlerweile fest in den Geschäftsbetrieb integriert und wird dauerhaft bleiben. „Ich wollte eine Perspektive“, sagte die zweifache Mutter in Limburg. Herrmann hat – wie sie sagte – dafür eine Mitarbeiterin „mit Engagement und Lebenserfahrung“ bekommen. Auch wenn das nicht immer einfach war: Denn Verbesserungsbedarf gibt es laut Perea vor allem bei der Kinderbetreuung in den Ferien. Hier gebe es noch zu wenig Möglichkeiten.

Eine andere „stille“ Reserve sind Berufsrückkehrerinnen und Berufsrückkehrer: Iris Angrick von der Agentur für Arbeit wies auf die Bedeutung von Maßnahmen zur Qualifizierung, Berufsvorbereitung aber auch zur Steigerung des Selbstwertgefühls nach einer langen „Auszeit“ hin. Hilfreich sei aber auch „familienorientierte Personalpolitik“, da unter den Rückkehrerinnen vor allem Mütter seien. „Ein Zimmer für Hausaufgaben“ der Kinder im Betrieb reiche dabei schon. Laut Dr. Sabine Reichhold vom Netzwerk Wiedereinstieg berge insbesondere diese Fachkräfte-Gruppe ein „Potenzial, auf das die Gesellschaft nicht verzichten kann“. Arbeitgeber sollten die Fähigkeiten, „die Frauen im Familienkontext erworben haben“, zu schätzen wissen. Das bestätigt auch die Praxis: „Ich habe in 15 Jahren mit Berufsrückkehrerinnen nur positive Erfahrungen gemacht“, sagte Mario Kramer, Geschäftsführer bei Rewe in Löhnberg – nicht zuletzt durch deren „hohe Motivation“. Auch altersbedingte Vorurteile sollten Unternehmen dringend abbauen.

Über einen eher „alten Weg“ der Fachkräfterekrutierung berichtete Dr. Klaus-Jürgen Rupp von der ZAUG gGmbH: Die Nachqualifizierung sei insbesondere bei Firmen mit ausgeprägtem Fachkräftebedarf ein Thema – dort oft auch berufsbegleitend. Als „Bildungspoint“ berate die ZAUG die Unternehmen und Mitarbeiter auch zu Fördermöglichkeiten. Über ein Beispiel aus seinem Betrieb berichtete Dirk Eberling von der Metallkontor GmbH in Staufenberg: Dort habe sich die Nachqualifizierung auch als gutes Instrument erwiesen, um Beschäftigte an das Unternehmen zu binden. „Die Mitarbeiter machen letztlich das Unternehmen aus“, betonte Eberling. Unterstützung bekam er dabei von Georg Dettloff von der Deutschen Angestellten-Akademie (DAA) in Marburg: „Wichtig ist auch die Perspektive für die Mitarbeiter“, die ihre Kompetenzen so besser nachweisen könnten. 

RMG-Geschäftsführer Jens Ihle zog ein positives Resümee der Veranstaltung: Die Teilnehmer hätten den Workshop in einer anschließenden Befragung mit Bestnoten bewertet. Und: Mehrere Firmen hätten sich bereits über das Netzwerk Bildung für eine Folgeberatung angemeldet, fügte Ihle hinzu.

Mittelhessen auf der W3+ Fair 2017:
Standortwerbung und Fachkräftemarketing

20 Gäste aus sechs Ländern beim Business Matching Mittelhessen

Die vierte W3+ FAIR als interdisziplinäre Netzwerkmesse für Optik, Elektronik und Mechanik nutzte das Regionalmanagement Mittelhessen zur Standortvermarktung und zum Fachkräftemarketing. Die Messe mit über 180 Ausstellern, die am 21. und 22. Februar 2017 zum vierten Mal in der Rittal Arena Wetzlar stattfand, zog über 3.000 Besucher an. Das Regionalmanagement Mittelhessen, das sich von Beginn an für die Leistungsschau der regionalen Kernbranche stark gemacht hatte, präsentierte die Region zwei wichtigen Zielgruppen:

Zum Business Matching Mittelhessen konnten Geschäftsführer Jens Ihle und Regionalmanager Christian Piterek 20 Gäste aus sechs Ländern begrüßen, darunter die USA, Indien, Korea, China und Japan sowie England. Die internationalen Gäste waren hochrangige Abgesandte von Handelskammern, Wirtschaftsförderungen und der Diplomatie, unter anderem war der indische Generalkonsul Raveesh Kumar unter den Gästen. Nach einer Vorstellung der Messe durch Christoph Rénevier, Geschäftsführer des Veranstalters Fleet Events und der Region Mittelhessen fand ein Messerundgang mit intensivem Netzwerken statt. Kooperations-Partner der Veranstaltung und ebenfalls vor Ort vertreten war die hessische Wirtschaftsförderung Hessen Trade and Invest GmbH (HTAI).

Ebenfalls am zweiten Messetag fand der Students Day statt, dessen Teilnehmerzahl sich im Vergleich zum Vorjahr mit über 300 Fachschülerinnen und -schülern sowie Studierenden verdoppelt hatte. Manuel Heinrich, Pressesprecher des Regionalmanagements, stellte die Region vor und verschaffte den Nachwuchskräften so einen hilfreichen Überblick über persönliche Karrieremöglichkeiten in Mittelhessen. Auch die Besucher des Students Day besuchten die Unternehmen auf der Messe, die oftmals auf der Suche nach Bewerbern waren.

186 Unternehmen, Partner und Sponsoren stellten 2017 in der Rittal Arena aus, darunter 56 neue – ein Plus von 18 Prozent zum Vorjahr. Große Player, darunter Leica Microsystems, Carl Zeiss, Harmonic Drive und Pfeiffer Vacuum nutzten das interdisziplinäre Forum, um sich mit neuen Kontakten gut für die Zukunft aufzustellen. Für Hidden Champions bot die Veranstaltung die Chance, ihre oftmals international bekannten Produkte und Leistungen auch auf dem heimischen Markt zu präsentieren. 34 Prozent der Aussteller kamen aus der Optik, 20 aus der Elektronik, 28 aus der Mechanik und 24 Prozent boten Dienstleistungen aus den Bereichen an. Stammte bei der W3+ FAIR 2014 ein Großteil der Unternehmen noch aus dem Raum Mittelhessen, ist dies inzwischen ausgeglichen: 31 Prozent haben ihren Sitz in der Region, 41 Prozent in anderen Bundesländern und 28 Prozent im Ausland. Insgesamt waren Unternehmen und Organisationen aus 10 Ländern auf der Messe vertreten.

Fründt und Repp wechseln an
der Spitze des Regionalmanagements

Kirsten Fründt mit ihrem Aufsichtsrats-Stellvertreter Rainer Schwarz, Klaus Repp mit seinem Stellvertreter als Vorsitzender der Gesellschaftsvesammlung Wolfram Dette und Jens Ihle.
Die neue Aufsichtsrats-Vorsitzende Kirsten Fründt (Mitte) mit ihrem Stellvertreter Rainer Schwarz, Gesellschaftsversammlungs-Vorsitzendem Klaus Repp, dessen Stellvertreter Wolfram Dette und Geschäftsführer Jens Ihle (v.r.n.l.)

Region Mittelhessen im Dialog mit FrankfurtRheinMain - Frankfurter Oberbürgermeister Feldmann zu Besuch

Wie kann Mittelhessen von seiner Nähe zur FrankfurtRheinMain-Region profitieren und wie eng soll die Kooperation zwischen den regionalen Akteuren sein? Darüber sprachen die Aufsichtsräte des mittelhessischen Regionalmanagements in ihrer letzten Sitzung mit den Spitzen der FrankfurtRheinMain GmbH International Marketing of the Region (FRM). Deren Aufsichtsratsvorsitzender, Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann, und FRM-Geschäftsführer Eric Menges waren ins Kreishaus des Lahn-Dillkreises gekommen, um an dem Treffen der 23 Aufsichtsräte teilzunehmen. Neben dem Dialog mit der Nachbarregion standen bei der Sitzung noch die Wahlen der Spitzenpositionen auf der Tagesordnung. Kirsten Fründt, Landrätin des Landkreises Marburg-Biedenkopf, und Klaus Repp, Präsident der Handwerkskammer Wiesbaden, wurden zu Vorsitzenden von Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung gewählt.

Der Aufsichtsrat der Regionalmanagement Mittelhessen GmbH mit Peter Feldmann (Mitte) und Eric Menges (ganz links)

„Eine Stunde ist keine Distanz“ machte Peter Feldmann zu Beginn seines Impulsbeitrages deutlich. „Im Ausland werden Mittelhessen und FrankfurtRheinMain aufgrund ihrer geographischen Nähe kaum als getrennte Regionen wahrgenommen. Davon können beide Seiten profitieren“, erklärte Feldmann und nannte die Bereiche Wohnungsbau, Gewerbeflächenvermarktung, Verkehr, Wissenschaft und das internationale Standortmarketing. Er warb für den Beitritt zur FrankfurtRheinMain GmbH, deren Aufgabe mit 20 Mitarbeitern und Vertretungen in China, Indien und den USA die Anbahnung von Ansiedlungen und neuen Arbeitsplätzen ist: „50 Prozent der Ansiedlungen erfolgen in der Region, 50 Prozent in Frankfurt selbst“, so der Oberbürgermeister. Zehn Industrie- und Handelskammern sind schon über das IHK-Forum Rhein-Main Gesellschafter der FRM GmbH. Der Beitritt des Landkreises Limburg-Weilburg ist bereits beschlossen, weitere Mittelhessen, wie die Stadt und der Landkreis Gießen, haben Interesse an einer Beteiligung bekundet. Sie sehen dieses Engagement jedoch nicht als Alternative ihres Zusammenschlusses im mittelhessischen Regionalmanagement, sondern als richtige Ergänzung: „Wir profilieren uns hessen- und bundesweit als Mittelhessen, international aber als zur FrankfurtRheinMain-Region zugehörig“, wie es eine Aufsichtsrätin formulierte. Peter Feldmann begrüßte die Doppelstrategie der Mittelhessen: „Die emotionale Frage ist dabei oft wichtiger als die Ökonomie“, wusste der Oberbürgermeister und versicherte: „Ich bin nicht hierhergekommen mit dem Ziel der Eingemeindung!“ Der konstruktive Dialog wird fortgeführt, dabei soll über konkrete gemeinsame Maßnahmen der beiden Organisationen zum beiderseitigen Nutzen gesprochen werden. Die Kooperationsvereinbarung der landeseigenen Wirtschaftsförderung Hessen Trade and Invest (HTAI) mit den Wirtschaftsförderungsorganisationen der drei Regionen FrankfurtRheinMain, Mittel – und Nordhessen sei sein gutes Beispiel dafür, so Jens Ihle, Geschäftsführer der Regionalmanagement Mittelhessen GmbH.

Am Beginn der Sitzung sorgten die Aufsichtsräte und Gesellschafter für einen Wechsel in den Spitzenpositionen der Regionalmanagement Mittelhessen GmbH: Die Landrätin des Landkreises Marburg-Biedenkopf, Kirsten Fründt und Klaus Repp, Präsident der Handwerkskammer (HWK) Wiesbaden wurden bei den turnusgemäßen Wahlen zu Vorsitzenden der beiden Aufsichtsgremien gewählt. Stellvertreter von Kirsten Fründt an der Spitze des Aufsichtsrates ist Rainer Schwarz, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Gießen-Friedberg, die Gesellschafterversamlung wählte den ehrenamtlichen Kreisbeigeordneten des Lahn-Dill-Kreises, Wolfram Dette, als Stellvertreter. Alle Vorsitzenden wurden einstimmig und für zwei Jahre gewählt. Beim Regionalmanagement, das als Schulterschluss zwischen Wirtschaft, Politik und Wissenschaft aufgestellt ist, werden die Spitzen jeweils abwechselnd von einem kommunalen Vertreter und einem IHK- bzw. HWK-Abgesandten besetzt. Kirsten Fründt machte deutlich, dass ihr neben der Kommunikations- und Vernetzungsfunktion des Regionalmanagements insbesondere die Umsetzung gemeinsamer Projekte wichtig sei. Die Aufsichtsräte waren sich bei ihrem Austausch zur Rolle des Regionalmanagements sehr einig, dass es gemeinsame Aufgabe sein müsse, Mittelhessen als Dachmarke weiter zu stärken. Die Zusammenarbeit der drei mittelhessischen Hochschulen, die unter anderem über den im November 2016 eröffneten Forschungscampus Mittelhessen als kooperative Plattform erfolge, wurde als beispielgebend bewertet. Das Land Hessen – im Aufsichtsrat vertreten durch das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Energie und Landesentwicklung – fördert die regionale Entwicklung bis 2020 mit Mitteln aus dem gleichnamigen Europäischen EFRE-Fonds.

Regionale Breitbandberatung
begleitet in die digitale Zukunft

Die mittelhessischen Breitbandberater Klaus Bernhardt (links) und Dennis Pucher mit Jens Ihle, Geschäftsführer der Regionalmanagement Mittelhessen GmbH (Mitte)

Der kontinuierliche Ausbau des schnellen Internets wird in mittlerweile allen Kreisen Mittelhessens fortgeführt und durch die beim Regionalmanagement angesiedelte regionale Breitbandberatung begleitet. Ansprechpartner sind Klaus Bernhardt und Dennis Pucher, die nach einer Ausschreibung bereits im vierten Jahr als freie Mitarbeiter in Zusammenarbeit mit dem Breitbandbüro Hessen als Bindeglied in und für Mittelhessen agieren.

„Ein leistungsfähiges Breitband-Netz ist insbesondere im ländlichen Raum eine wesentliche Voraussetzung für wirtschaftliche Entwicklung und Wettbewerbsfähigkeit“, sagte Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir. „Es ist ein elementarer Faktor für Familien bei der Wohnortwahl sowie für Unternehmen bei Standortentscheidungen. Immer wichtiger wird das Internet für gesellschaftliche Teilhabe. Deshalb darf der ländliche Raum nicht digital abgehängt werden.“ Das Land Hessen unterstützt den Ausbau insbesondere im ländlichen Raum mit Darlehen, Bürgschaften und Zuschüssen in dreistelliger Millionenhöhe. Im Rahmen seiner Initiative „Mehr Breitband in Hessen“ fördert das Land die regionale Breitbandberatung bei der Regionalmanagement Mittelhessen GmbH im Jahr 2017 mit 98.000 Euro. Neben zahlreichen Gesprächen mit Beteiligten helfen die Breitbandberater mit Stellungnahmen gegenüber dem Land und sind bei Veranstaltungen vor Ort. Gemeinsam mit der Hessen Trade and Invest GmbH (HTAI) luden sie im Dezember 2016 zum zweiten Breitband-Camp Mittelhessen ein, bei dem die Digitalisierungs-Anwendungen hinsichtlich des mobilen Internets aufgezeigt wurden. „Man kann nicht über Infrastruktur reden, ohne zu sagen, für was man sie braucht“, benannte RMG-Geschäftsführer Jens Ihle einen der Gründe für das Engagement des Regionalmanagements. 

Als Meilenstein für den Breitbandausbau in Hessen wurden im Dezember 2016 die Breitband-Pläne der Deutsche Telekom AG (Telekom) für den Vogelsbergkreis und die Wetterau gewürdigt. Um Bürgern und Unternehmen auch in diesen Landkreisen eine flächendeckende Verlegung von Glasfaserleitungen bis zu den Verteilerkästen („Fibre to the Curb“ - FttC) zu ermöglichen, hatte das Hessische Wirtschaftsministerium mit einem Gespräch eine Lösung vermittelt. Der Einigung zufolge versorgt die Telekom ab 2017 den Wetterau- und den Vogelsbergkreis aus eigenen Mitteln mit schnellem Internet. 95 Prozent des Gebiets sollen Datengeschwindigkeiten von 30 Mbit/s erreichen, 85 Prozent sogar von 50 Mbit/s. Rathäuser, Schulen und Gewerbegebiete sollen unabhängig davon durch das Breitbandförderprogramm des Bundes mit schnellem Internet versorgt werden. „Es ist klar, dass das Land die Kommunen beim Breitbandausbau nicht alleine lässt. Wir werden keine digitale Spaltung zwischen Ballungsräumen und ländlichen Gebieten dulden,“ erklärte Wirtschaftsstaatsekretär Mathias Samson.

Nachdem alle mittelhessischen Landkreise aktiv den Ausbau vorantreiben oder bereits abgeschlossen haben, wird nun die nächste Ausbaustufe in den Blick genommen. Dabei stehen auch für Bernhardt und Pucher im Kontext der Strategie „Digitales Hessen“ die übergreifenden, rahmensetzenden Themen wie das Breitband-Förderprogramm des Bundes und das DigiNetz-Gesetz sowie die Anbindung der Gewerbegebiete und Glasfaser als Grundlage für neue Geschäftsprozesse bis hin zu WLAN und 5G im Vordergrund. „Hessens Aufbruch in die Gigabitgesellschaft“ ist auch Thema am 7. Juni 2017, wenn in Frankfurt der 8. Hessische Breitbandgipfel stattfindet.