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Startup Safari FrankfurtRheinMain
machte Station in Mittelhessen

"Mehr Mut auch zum Misserfolg": Staatssekretär Dr. Philipp Nimmermann bei der Eröffnung der Startup Safari FrankfurtRheinMain in Gießen. (Foto: Tilman Lochmüller)
"Mehr Mut auch zum Misserfolg": Staatssekretär Dr. Philipp Nimmermann bei der Eröffnung der Startup Safari FrankfurtRheinMain in Gießen. (Foto: Tilman Lochmüller)

"Wir brauchen Superspreader für Startup-Kultur." Mit diesem Aufruf hat am Mittwoch vergangener Woche Dr. Philipp Nimmermann, Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen, die mittelhessische Station bei der zweitägigen dezentralen "Startup Safari FrankfurtRheinMain" in seinem Impuls-Vortrag einen Akzent gesetzt. Die Safari fand zeitgleich in Gießen, Frankfurt, Wiesbaden, Mainz, Darmstadt und Offenbach statt. Der Foundershub Mittelhessen des Regionalmanagements war als Partner mit an Bord.

Carolin Wagner und Fabian Annich vom Veranstalter Station Frankfurt, einer regionalen Anlaufstelle für Startups und Innovatoren, freuten sich bei dieser fünften Auflage des Formats über einen Rekord von über 800 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die nicht nur live mit Hilfe von Shuttle-Bussen an den verschiedenen Event-Orten dabei waren, sondern auch online per Live-Stream. „Wir sind die größte dezentrale Veranstaltung für Startups und Innovatoren in Hessen und Frankfurt Rheinmain“, sagte Wagner.

Das Hybrid-Format an mehreren Orten zeige, dass Rheinmain mehr sei als Frankfurt und Wiesbaden, hob Nimmermann hervor, der in seinem Beitrag über die Startup-Strategie des Landes Hessen im Veranstaltungsraum des Co-Workingspace von SleevesUp! nicht nur an den Gründergeist angehender Unternehmerinnen und Unternehmer appellierte, sondern auch für mehr "Mut auch zu Misserfolgen" warb. Ohne diesen könne kein Startup-Ökosystem funktionieren. Insbesondere Startup, die sich um Nachhaltigkeit drehen, stellte er dabei in den Fokus, denn "wer soll uns sonst helfen bei den Herausforderungen der Zukunft."

Nimmermanns Superspreader-Analogie bezog sich auf die Idee der Vernetzung: „Wie kriegen wir den Wissenstransfer organisiert?“ Die Antwort sei, Knotenpunkte zu organisieren, an denen Wissenstransfer und Kooperation stattfinden kann, damit sich die Idee in ganz Hessen verbreitet - „eine umgekehrte Pandemie-Logik“. „Wir wollen Vernetzung fördern, damit Rückkopplungseffekte stattfinden und echte Kooperationen passieren“ – zum Beispiel zwischen Unternehmen und Hochschulen mit einer echten „Kooperationskultur“. „Das sind Aspekte, die wir vorantreiben wollen.“

Staatssekretär Dr. Philipp Nimmermann bei der Startup-Safari FrankfurtRheinMain (Foto: Tilman Lochmüller)
Staatssekretär Dr. Philipp Nimmermann bei der Startup-Safari FrankfurtRheinMain (Foto: Tilman Lochmüller)

Ein wichtiges Thema sei dabei Künstliche Intelligenz (KI), sagte der Staatssekretär. Im vergangenen Jahr sei daher hessian.AI gegründet worden, ein KI-Zusammenschluss der hessischen Hochschulen mit Sitz in Darmstadt. „KI ist die Querschnittstechnologie für das gesamte Ökosystem.“ Es gebe kaum noch jemanden, der keine Künstliche Intelligenz benutzt – von einfachen Anwendungen bis hin zu Deep Learning mit komplexen Algorithmen.

Ein Problem sei hingegen immer noch der Mangel an Wagniskapital: Obwohl es im Finanzzentrum Frankfurt genügend Geld gebe, fehle es an „Venture Capital“. Daher sei das Marketing des Startup-Ökosystems wichtig. „Wir müssen mehr ‚Awareness‘ schaffen.“ In der Endabstimmung mit dem Ministerium seien zudem auch Stipendien für Gründerinnen und Gründer. Neben dem Komplex „Social Entrepreneurship“, also Nachhaltigkeit in sozialer und ökologischer Hinsicht, erhob Nimmermann den Mut zum Scheitern, die Risikobereitschaft beim Gründen, zu einer „Bildungsfrage“.

Auch Keynote-Speaker Sebastian Jung vom Marburger Software-Hersteller weclapp, das eine Cloud-basierten ERP-Lösung anbietet, stellte in seinem Beitrag Menschen in den Mittelpunkt – nicht nur in Bezug auf das Produkt, bei dem es wichtig sei, „dass man das Problem beim Kunden löst“, sondern auch bei der Firmenkultur: „Unternehmen allein schaffen keine Werte, sondern die Menschen.“ Es sei wichtig, von „Anfang an Menschen zu begeistern, die Lust haben, etwas zu bewegen“. Dabei sei die „Struktur Unternehmen“ stets im Wandel begriffen; letztlich sollten Entscheidungen stets dort getroffen werden, wo das Wissen, nicht wo die Macht ist, machte Jung deutlich.

Sebastian Jung von weclapp beschreibt den Werdgang vom Startup zum Börsenkandidat. (Foto: Tilman Lochmüller)
Sebastian Jung von weclapp beschreibt den Werdgang des Unternehmens vom Startup zum Börsenkandidat. (Foto: Tilman Lochmüller)

Jung schilderte in seinem Beitrag den Werdegang von weclapp vom 2008 gegründeten Startup zum Börsenkandidaten mit mittlerweile drei Standorten, über 100 Angestellten und über 20.000 Nutzerinnen und Nutzer weltweit, die das „Enterprise Resource Planning“ (ERP) mit Hilfe der weclapp-Anwendung verwenden. Mit Hilfe des Kapitals der ebenfalls in Marburg beheimateten 3U Holding, konnte Gründer Ertan Özdil die Cloud-Lösung in fünf Jahren zur Marktreife bringen und schließlich zwei Jahre später auch Gewinne erwirtschaften. Damit ist weclapp eine echte mittelhessische Erfolgsgeschichte.