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"Wir müssen Fehler umarmen"
- Im Fokus der
NEW WORK EXPERIENCE

Verena Krakau, Daniel Gal und Jens Ihle im Gespräch
Verena Krakau, Daniel Gal und Jens Ihle im Gespräch

"Wir müssen Fehler umarmen" - Verena Krakau und Daniel Gal zu Gast bei der NWXnow

Am 8. Oktober feierte das Regionalmanagement Mittelhessen den Auftakt der Videocast Reihe NWXnow (New Work Experience) (wir berichteten über das Format). Für die erste Ausgabe bat Gastgeber Jens Ihle die preisgekrönte Gießener Gründerin Verena Krakau und den innovativen Hungener Digitalunternehmer Daniel Gal zum Gespräch.

Zu Beginn präsentierte Jens Ihle die jüngsten Ergebnisse der Umfrage des Deutschen Startup Monitors. Zwar konnte der Anteil an Gründerinnen im Vergleich zum Vorjahr leicht gesteigert werden, mit 15,9% bilden Frauen aber immer noch die Ausnahme in der Gründungs Landschaft. Die Gäste waren sich einig, dass zunächst das Problem gelöst werden müsse, dass insgesamt zu wenig Menschen den Schritt in die eigene Gründung wagen. Während Daniel Gal eingestand, dass der Mut sicherlich auch ein Stückweit in der eigenen DNA verankert sein müsse, argumentierte Verena Krakau, dass man nicht zwingend ein ausgeprägtes Unternehmertum Bewusstsein zu Beginn braucht. Entscheidend für die ersten Schritte ist ein praxis- und lösungsorientiertes Mindset.

Beide waren sich jedoch einig, dass die Schulbildung perspektivisch eine entscheidende Rolle spielt, um die Quote aus neuen Unternehmer_innen zu steigern. Daniel Gal griff sogar den Ansatz auf, eine Art freiwilliges Gründungsjahr äquivalent zu dem bestehenden Freiwilligen Sozialen Jahr anzubieten. Rückblickend auf den niedrigen Anteil an Gründerinnen argumentierte Verena gegen die verbreitete These, dass es zu wenig weibliche Vorbilder in der Startup Szene gibt. Zwar seien diese tatsächlich seltener als Männer, es spräche jedoch auch nicht dagegen sich als Entrepreneurin ein maskulines Vorbild zu suchen. Wichtig wäre zunächst die subjektiv oft zu hoch angesetzte Risikoaversion einer eigenen Gründung zu korrigieren.

Anschließend längte Jens Ihle das Gespräch auf die Produkte der beiden Gäste. Absolute Dominanz für den Erfolg ist es das eigene Produkt an den Kunden zu bringen. Kein einfaches Unterfangen in einer Pandemiegeschwächten Volkswirtschaft. Worin besteht also der „Gamechanger“ der beiden Produkte, die sie für den Markt alternativlos machen?

Cognilize ist eine Virtual Reality Trainingssimulation, die es Sportler_innen ermöglicht ihre Perfomance auf ein neues Level zu heben. Trotz körperlicher Müdigkeit, können die Spieler_innen also mit den VR Brillen weiter an ihren kognitiven Fähigkeiten arbeiten. Die Antizipation von Spielsituationen entscheidet im Zweifel über Sieg oder Niederlage. Ein Fussballspieler schafft in der Spitze Geschwindigkeiten von 35km/h. Eine Reduzierung der Entscheidungsgeschwindigkeit von 0,5 Sekunden gibt ihm im Zweifel einen Raumgewinn von 5 Metern, führte Verena aus. Auf dem Markt gäbe es viele Innovationen, die die Trainer_innen unterstützen. Die Spieler_innen werden gläsern, profitieren jedoch nur selten von ihrer Überwachung, dabei sollte auf ihnen der Fokus liegen.

Im Vertrieb weist Cognilize bereits Erfolge auf. Pilotprojekte im Collage Football und im Profifussball laufen bereits. „Viele Vereine wollen mit uns arbeiten. Die Umsetzung geht jedoch einher mit einer echten Disruption im Trainingsalltag. Die Implementierung ist schwierig. Insebsondere auf dem deutschen Markt beobachten wir eine konservative Haltung. Bei amerikanischen Teams stellen wir wesentlich geringe Hürden in der Umsetzung fest“, erläutert Verena. Sie ergänzt: Corona sei hinderlich und förderlich zugleich. Auf der einen Seite Reduzieren die Teams Ihr Investmentbudget erheblich. Auf der anderen Seite gibt die Pandemie den Clubs Luft sich mit der neuen Technologie zu beschäftigen.

Daniel Gal wurde von der Corona Pandemie für sein Produkt „accioca“ (Arbeitstitel) inspiriert. Die Mobile Lösung soll den regionalen Einzelhandel unterstützen. Er erklärt es an einem Beispiel:
„Stellt euch vor ihr braucht kurzfristig ein weißes Hemd. Mit unserer App stellt ihr quasi ein Inserat „Suche weißes Hemd, Marke Olymp, Größe x““. Ein Call geht raus an alle Einzelhändler in einem bestimmten Umkreis, die Hemden führen. Der Verkäufer sieht was der Kunde sucht. Er kann den Anruf annehmen und wird per Videochat mit dem potenziellen Käufer verbunden.“ Durch die Berücksichtigung geographischer Daten, könne der Kunde das Produkt schneller bekommen, als bei einem Onlinehändler und unterstützt zudem noch die regionale Wirtschaft. Eine Win-Win Situation.

Die Vision: Mit accioca sollen 10% des weltweiten Onlinehandels zurück in die Regionen geholt werden. Wichtig für den Erfolg des Produkts sei es, dass der Einzelhandel sich insbesondere mit den Kunden auseinandersetzt, die aktuell NICHT in den Laden kommen, statt sich auf der Stammkundschaft auszuruhen. „Man bewegt sich immer erst dann, wenn es wehtut. Der Einzelhandel leidet unter den Onlineriesen, der Druck steigt. Das Umdenken setzt grade ein“, so Daniel. „Der regionale Bezug ist die stärke des Einzelhandels. Langfristig ist es zwecklos das ganze Geschäft auf Onlinehandel zu transferieren. Hier greift das Highländerprinzip: Es kann nur einer gewinnen. Jeder Onlinehändler findet sich früher oder später in Konkurrenz mit amazon.“

Den Abschluss des Talks bildete die Frage, wie die beiden Gäste es schaffen Ihr eigenes Team mit ihrer Passion anzustecken.

Daniel gibt seinen Mitarbeitern vor allem viel Freiraum, wenn es um das Antesten von neuen Ideen geht. „Bei neuen, kreativen Ideen gilt bei uns ganz klar der Grundsatz "Quantität vor Qualität". Grade wenn es um das Testen neuer Prozesse oder Produktideen gibt, ist bei uns alles erlaubt. So wird vor allem die Selbstständigkeit der Mitarbeiter gefördert“. Das interne Wertesystem und die gegenseitigen Feedback Gespräche stärken den Zusammenhalt.

Zustimmend bestätigt Verena, dass die Selbstständigkeit der Mitarbeiter_innen ein entscheidender Faktor ist. „Das schlimmste ist ein Arbeitsklima, in dem das Team angst vor Fehlern bekommt. Sie sollen Fehler machen. Wir müssen Fehler umarmen. Nur so kommen wir weiter in der Entwicklung. Offene Kommunikation, kreativer Freiraum und Fehlertoleranz sind das höchste Gut“.

Auf die abschließende Frage, warum die beiden sich für eine Unternehmensgründung in Mittelhessen entscheiden haben, schätzten beide die zentrale Lage und die damit verbundenen kurzen Reisewege innerhalb Deutschlands. Auch die überdurchschnittliche Netzwerkqualität und der große Pool an Studierenden machen Mittelhessen besonders attraktiv.

Nachtrag: Der komplette Mitschnitt des Livetalks kann auf dem Youtbue Kanal von XING unter folgendem Link angeschaut werden: https://www.youtube.com/watch?v=54LOoEKCrSc&ab_channel=XING

Regionale Immobilien
Expo Mittelhessen am 20.10.

Die Expo Real in München findet dieses Jahr nicht wie gewohnt statt, sondern als Hybrid-Version. Es wird keinen mittelhessischen Gemeinschaftsstand geben. Doch gerade in schwierigen Zeiten ist der Austausch mit der Branche besonders wichtig. Daher hat das Regionalmanagement in Kooperation mit der Hessen Trade & Invest die „Regionale Immobilien Expo Mittelhessen“ (riem) ins Leben gerufen. Die riem findet am 20. Oktober 2020 in Wetzlar statt und bietet eine Plattform für Projekte, Investitionen und Finanzierungen. Neben einer Diskussion über die Auswirkungen der Corona-Krise gibt es zwei Foren zum Thema "Entwicklung von Einzelhandels- und Bürostandorten in Innenstädten" und "Neue Ansprüche an Gewerbeflächen" mit namhaften Experten (u.a. Drees & Sommer und IFH Köln, Vitra).

Wir haben mit Boris Hedde über die aktuellen Herausforderungen von Innenstädten und Einzelhandels-/Bürostandorten gesprochen, hauptamtlich Geschäftsführer des Instituts für Handelsforschung Köln GmbH sowie Mitinitiator der kommunal orientierten Netzwerkplattform www.die-stadtretter.de. Daüber hinaus, leitete er federführend das Projekt Dialogplattform Einzelhandel des Bundeswirtschaftsministerium.

RMG: In welchem Zustand befinden sich zurzeit unsere Innenstädte? Nach der (Teil-)Schließung des Einzelhandels durch die Corona-Pandemie und dem vermehrten Einzug des Home Offices.

Hedde: Innenstädte stehen inmitten eines großes Veränderungsdrucks. Dieser wird durch drei Tsunamis befeuert, welche sich aktuell gegenseitig potenzieren: a) Strukturwandel, b) Digitalisierung und c) COVID 19. Erhielt die Attraktivität der Innenstädte in Deutschland aus Besuchersicht schon in 2016 und in 2018 nur die Schulnote 3+, so ist zu erwarten, dass seither keine Verbesserung aus Sicht der Bürgerinnen und Bürger empfunden wird – mit allen Konsequenzen: Frequenzrückgang, Verlust von Aufenthaltsqualität und rückläufiger Identifikation mit dem jeweiligen Standort.

RMG: Mittelhessen ist besonders durch Mittel- und Kleinstädte geprägt. Gibt es hier Unterschiede zwischen den Mittel-/Kleinstädten und Metropolen?

Hedde: Grundsätzlich ist aus unseren Analysen VITALE INNENSTADT 2016 und 2018 abzuleiten, dass die Themen Ambiente und  Flair sowie das Einzelhandelsangebot die beiden Toptreiber für die Gesamtattraktivität sind. Je nach Ortsgrößen gibt es bei den Clustern Erlebnis und Convenience Unterschiede in puncto der Einzelmaßnahmen. Mit der Größe der Stadt steigt z. B. die Bedeutung des Gastronomieangebots. In kleinen Standorten hingegen ist es leichter mit Events zu punkten.

RMG: Der stationäre Einzelhandel stand schon vor dem Lockdown durch die Corona-Pandemie unter Druck (Stichwort e-Commerce, Schließung Kaufhof/Karstadt-Standorte). Gleichzeitig haben viele Menschen während des Lockdowns gemerkt, wie wichtig ihnen ihre Innenstädte sind und haben ihre Solidarität mit lokalen Geschäften gezeigt (z.B. durch Gutscheine-Aktionen). Bekommt der lokale stationäre Einzelhandel durch Corona eine neue Chance oder beschleunigt Corona den Prozess der Verödung der Innenstädte?

Hedde: Der Strukturwandel ist voll im Gange. Auch ohne Corona prognostizierten wir als IFH KÖLN für den Handel rückläufige Entwicklungen bei der Zahl der lokalen Anbieter. COVID 19 beschleunigt diesen Prozess in starkem Maße. Geschäftsmodelle der Vergangenheit passen nicht mehr, produktorientierte Kompetenz ist kein Abgrenzungsmerkmal und die Anspruchshaltung der Konsument*innen ist im Verlauf in Richtung Bequemlichkeit enorm gestiegen. All dies zwingt dazu, den Neustart-Knopf zu drücken und ein neues Kundenverständnis zu entwickeln. Hierbei tun sich viele lokale Akteure bisher schwer. Ob die Zukunft erfolgreich wird oder ob mit einer voranschreitenden Verödung zur rechnen ist, wird sehr vom Standort und davon abhängen, wie gut die Kundenzentrierung gelebt wird – im einzelnen Unternehmen und im gesamten Umfeld.

RMG: Wie werden sich die Innenstädte jetzt verändern?

Hedde: Zunächst gilt es notwendige Strukturen aufzubauen, die lokal eine gemeinsame Bearbeitung von Themen ermöglicht – akteursübergreifend und im Zusammenspiel mit der Stadt. Dann ist je nach Standort zu prüfen, welche Communities wie ausgeprägt und lebendig sind. Deren Erwartungen sind zu evaluieren, um dann konzeptionell und transformativ Innenstadt aktiv umzugestalten. Digitalisierung wird eine große Bedeutung erhalten und damit verbunden auch die Nutzung vor Ort generierter Daten. Aus einer passiven Stadtentwicklung wird eine aktive. Aus einer angebotsorientierten Maxime eine nachfrage- bzw. besucherorientierte. In Summe wird Handel ein Teilbereich von vielen werden und die Interdisziplinarität strukturgebend. Wohnen, Arbeiten, Bildung und Freizeit werden stärker verzahnt und der soziale, partizipative Aspekt von Innenstadt rückt stärker in den Fokus.   

Vielen Dank für das Gespräch. Wir freuen, das IFH Köln stellvertretend durch Dr. Markus Preißner (wissenschaftlicher Leiter) als Keynote-Speaker auf der riem am 20. Otkober 2020 in Wetzlar begrüßen zu dürfen.

Zur Industriekultur Mittelhessen
ab sofort mit neuen Medien

LEADER-Kooperationsprojekt macht regional-integratives Potential sichtbar

„Mittelhessen ist eine lebendige Region mit Zukunft und Herkunft, mit der Industriekultur machen wir ab sofort den Produktionsstandort noch sichtbarer und erlebbar“ So stellte Dr. Christoph Ullrich, Regierungspräsident und Vorsitzender des Verein Mittelhessen heute zusammen mit weiteren Beteiligten die Ergebnisse des zweijährigen LEADER-Kooperationsprojektes unter dem Motto „Neue Wege, neue Medien“ vor. Die Pressekonferenz fand im passenden Ambiente im Güterbahnhof Fronhausen statt, einem denkmalgeschützten Ort der Industriekultur, dem durch eine Umnutzung in ein Lokal eine neue Perspektive gegeben wurde.
In einer stark vernetzten Mischung aus Online- und Offline-Medien wird die Industriekultur in allen fünf Landkreisen Mittelhessens sichtbar und verbindet die reiche Geschichte mit der Zukunft der „Werkbank Hessens“: Eine neue Smartphone-App bündelt Informationen zu Orten der Industriekultur mit regionalen Veranstaltungsangeboten und führt die Nutzer zu den Objekten. Als Grundlage hat der Arbeitskreis Industriekultur Mittelhessen über 300 Objekte in der Region ausgesucht, die über die Online-Datenbank industriekultur-mittelhessen.de abrufbar sind. Die Basis dafür hat Prof. Dr. Otto Volk, Initiator und wissenschaftlicher Leiter der Initiative, erarbeitet. Eine Auswahl von etwa 150 Orten ist in der App zu finden, die es erlaubt, dass Nutzer sich eine individuelle Route nach ihren Interessen gestalten können. Viele Menschen fahren täglich an Gebäuden vorbei, deren Funktion ihnen unbekannt ist. 28 Orte erhalten danke des Projektes ein Schild gemäß dem Goethe-Zitat „Man sieht nur, was man kennt.“ Über einen QR-Code erreicht man von den Schildern die weiterführenden Inhalte in App und Website. Auch die fünf Faltblätter sind auf diese Weise mit den Online-Medien verknüpft und vermitteln die Industriekultur an die Zielgruppen: Industriekultur „zu Fuß und per Rad“, „auf und am Wasser“, „für Familien, Kinder und Jugendliche“, „in Museen, Sammlungen und Science Centern“ sowie „kreativ“ zeigen an ausgewählten Beispielen die thematische Breite von Hightech-Werk bis zur Erzgrube, vom aktiven Steinbruch bis zum Radweg über ein Eisenbahnviadukt.

Auf diese Weise setzen die Partner Impulse für Wirtschaft und den Tourismus im ländlichen Raum. „Für das Kooperationsprojekt haben sich alle sieben in Mittelhessen liegenden LEADER-Regionen (Burgwald-Ederbergland, GießenerLand (Federführung), Lahn-Dill-Bergland, Lahn-Dill-Wetzlar, Limburg-Weilburg, Marburger Land und Vogelsberg) zusammen getan haben“, berichteten Kurt Hillgärtner und Anette Kurth, Vorsitzender und Regionalmanagerin des Vereins Region GießenerLand. Die Kofinanzierung in Höhe von 55.000 € stellten die Landkreise Gießen, Lahn-Dill, Marburg-Biedenkopf, der Vogelsbergkreis, die Städte Gießen, Marburg, Wetzlar, Limburg zusammen mit dem IHK-Verbund Mittelhessen und dem durchführenden Verein Mittelhessen zur Verfügung. Marian Zachow, Erster Kreisbeigeordneter des Landkreises Marburg-Biedenkopf war als Vertreter der kofinanzierenden Institutionen nach Fronhausen gekommen: „Das breite Bündnis der Kofinanzierer zeigt die Bedeutung des Projektes für die Region. Wir sind dem Regionalmanagement für die Initiative und die Umsetzung sehr dankbar“, erklärte Zachow.
Umgesetzt wurde das Projekt beim Verein Mittelhessen durch den Projektmanager Kay-Hermann Hörster, der auf diese Weise zusammen mit den vielen ehrenamtlich tätigen Expertinnen und Experten der Region die Industriekultur als regional-integratives Thema erlebbar macht und zugleich den vielen Akteuren ermöglicht, sich und ihre Angebote unter einem Dach darzustellen. Denn auch wenn das Projekt formal abgeschlossen ist: die Website und die App sollen wie die Industriekultur leben, die Inhalte sich dynamisch weiterentwickeln.
„Wenn Sie sagen: Da fehlt doch was! Dann sagen wir: sehr gut!“
Jens Ihle, Geschäftsführer des Regionalmanagement Mittelhessens, erklärte die Philosophie des Netzwerks, in dem Kommunen, Museen, Vereine, Kultureinrichtungen und Initiativen, aber auch die mittelhessischen Hochschulen sowie zahlreichen Unternehmen aktiv sind. „Die Industriekultur Mittelhessen ist damit einsatzbar als Baustein für Standort- und Fachkräftemarketing, in der Berufsorientierung und im Tourismus. „Wir etablieren die Industriekultur in Mittelhessen langfristig als regionales Gemeinschaftsprojekt“, betont Dr. Ullrich abschließend, der sich bei allen Beteiligten wie den regionalen Dienstleistern bedankte und Ulf Stiller, dem Geschäftsführenden Gesellschafter der Güterbahnhof 1849, sein Schild vor Ort übergab.
Die Europäische Union und das Land Hessen unterstützen ländliche Regionen mit speziellen Förderprogrammen, die als Anschubfinanzierung für eigenständige Regionalentwicklungen gedacht sind. Eines dieser Programme ist LEADER, die Abkürzung steht für die aus dem Französischen übersetzte Bedeutung „Verbindung zwischen Aktionen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft“. Damit fördert die Europäische Union seit 1991 Projekte, in die sich Bürgerinnen und Bürger sowie Institutionen direkt vor Ort einbringen und zur nachhaltigen Stärkung ländlicher Räume beitragen können. Voraussetzung dazu ist, dass diese Projekte in einer anerkannten LEADER-Region umgesetzt werden. Die Regionen unterstützen und begleiten eine jeweilige Lokale Aktionsgruppe bei der Umsetzung ihrer Lokalen Entwicklungsstrategie und betreut all jene, die Projekte auf den Weg bringen möchten. Hessenweit fließen von 2014–2020 50 Millionen Euro Fördergelder der EU und dem Land Hessen in insgesamt 24 LEADER-Regionen.

Neue Kooperation mit NEW WORK
EXPERIENCE zur Arbeitswelt der Zukunft

Alle sechs Wochen „übernimmt“ das Regionalmanagement Mittelhessen den NWXnow-Kanal und präsentiert online Menschen und ihre Geschichten

Wie sieht die Zukunft der Arbeit aus? Ab dem 8. Oktober 2020 holt das Format NWXnow gemeinsam mit dem Regionalmanagement Mittelhessen heimische New Work-Pioniere und ihre Best Practice-Beispiele vor den Vorhang und gibt Antworten. Durch die langjährige Verbindung aus Tradition und Innovation gilt Mittelhessen seit jeher als Region des Wandels. In Gesprächen und Workshops lernen die Zuschauerinnen und Zuschauer (die Videocasts erreichen jeweils rund 380.000 Aufrufe) ab sofort den New Work-Standort, den noch nicht alle „auf dem Zettel haben“ kennen. Der einstündige Live-Talk zeigt auch, wie sich andere Regionen die Expertise zu nutzen machen können. Die Kooperation zwischen NWXnow und dem Regionalmanagement Mittelhessen verdeutlicht einmal mehr, dass innovative Arbeitsmodelle und Ideenreichtum nicht nur den Großstädten vorbehalten sind.

Das Regionalmanagement Mittelhessen präsentiert ab Oktober alle sechs Wochen Mittelhessens Ideen und Visionen zur Zukunft der Arbeitswelt im Rahmen der digitalen Formatreihe NWXnow.

Diese Online-Ausgabe der Konferenz NEW WORK EXPERIENCE (NWX) bietet ein Diskussions-Forum für die Zukunft der Arbeit. New Work-Experten, -Vordenker und -Praktiker beleuchten in Videocasts und Interviews, mittels Essays und Experten-Tipps sowie in Online-Workshops die Frage „Was kommt, was bleibt und was verändert sich - in der Arbeitswelt der Zukunft?“ – denn es geht heute mehr denn je um die Frage, wie wir die Weichen für eine Zukunft der Arbeit stellen, die wir wollen.

Verantwortlich für die Umsetzung ist Wolfram Sauer (New Work SE), selbst gebürtiger Mittelhesse und langjähriger Partner des Regionalmanagements. Er sagt: „Die Region Mittelhessen hat sich durch das Engagement des Regionalmanagements und auch den persönlichen Einsatz von Jens Ihle und seinem Team zu einer Musterregion von New Work entwickelt. Durch spannende neue Ideen und Formate schaffen Sie es immer wieder, tradierte Unternehmen und Start Ups aus der Region, aber auch Universitäten und Hochschulen, in einen innovativen Diskurs zu bringen.“

Los geht’s am 8. Oktober 2020 um 16 Uhr mit der Online-Diskussion „Krisen drehen - eigene Werkzeuge nutzen“. Der Hungener Digitalunternehmer Daniel Gal und die preisgekrönte Gießener Gründerin Verena Krakau haben aus der Innovationskraft der Region geschöpft und gezeigt, wie man seine Fähigkeiten für die Bewältigung von Herausforderungen einsetzen kann, statt sein Denken anhand von alten Mustern einzuschränken. Im NWXnow Live-Talk berichten die beiden Experten, wie sie große und kleine Krisen genutzt haben und von diesen profitieren konnten. Moderiert wird der Live-Talk von Jens Ihle, Geschäftsführer des Regionalmanagements, der sich auf die NWX-Kooperation freut: „Seit 2016, als der XING New Work Campus Mittelhessen in Marburg stattfand, arbeiten wir eng im Rahmen der NWX zum Themenfeld New Work zusammen. Wir freuen uns auf die Kooperation, denn Mittelhessen hat viele Persönlichkeiten mit Ideen und Visionen zur Zukunft der Arbeitswelt zu bieten, die wir gerne alle sechs Wochen präsentieren wollen.“
Denn obwohl die Metropolen als „Hotspots“ für Innovation, Think Tanks und Neues Denken gelten, kann man viele Hidden Champions und Initiativen auch außerhalb der Großstädte finden. Mittelhessen ist ein gelungenes Beispiel dafür und die beiden Gäste stehen für solche frische Ideen und Geschäftsmodelle, die sie in den Krisenzeiten auf den Markt bringen wollen.

Über die Teilnehmer:
Daniel Gal studierte Medieninformatik an der Technischen Hochschule Mittelhessen und ist Gründer der GAL Digital GmbH in Hungen. Er ist seit 15 Jahren Unternehmer und Seriengründer, Top 100 Innovator, MINT-Botschafter sowie Kurator der Sportstiftung Hessen. Sein Kernunternehmen GAL Digital ist eine Digitalagentur, spezialisiert auf die Optimierung von Geschäftsprozessen in Vertrieb und Marketing. Dabei gehört die 34-köpfige Digitalagentur zu den Top 100 der innovativsten Unternehmen im deutschen Mittelstand. Sein Knowhow vermittelt er auf Fachvorträgen und Seminaren und ist Autor verschiedener Veröffentlichungen zu Themen der Digitalisierung, Vertrieb und Marketing. Seit Anfang des Jahres treibt Ihn sein Herzblut-Projekt „accioca“ an und verfolgt die Vision, zehn Prozent der Online-Erlöse wieder in den regionalen Einzelhandeln zu bringen.
Verena Krakau ist Absolventin der Justus-Liebig-Universität in Gießen und Co-Founderin des im Jahr 2019 gegründeten Sporttechnologie-Unternehmens „Cognilize“, das anhand von virtuellen Spielsituationen die Trainingsmethoden im Profisport innovativ verbessert und erweitert. Ihr digitales Trainingskonzept ist gefragt – Sie befindet sich aktuell im Halbfinale des Hessischen Gründerpreises und erreichte kürzlich sogar das Finale des „Football Innovation Awards“. Verena gibt ihr Start-up Knowhow als Jurorin, Coach und Mentorin, u. a. an ihrer ehemaligen Universität in Gießen als auch beim Entrepreneurship Cluster Mittelhessen, weiter. Die 27-jährige war eine von insgesamt neun europäischen Stipendiaten für die internationalen Sales Competitions der American Marketing Association und dort u.a. einzige europäische Finalistin in der Kategorie „Perfect Pitch“.

Weitere Infos unter: www.nwx-now.com

Anmeldung unter: https://nwx.new-work.se/nwxnow/krisen-drehen-eigene-werkzeuge-nutzen-live-talk-kw41

Wie die Wirtschaft die Corona-
Folgen bewältigen kann

Referent Norbert Müller (advavon) im Gespräch mit der Netzwerk-Vorsitzenden Sabine Fremery-Warnicke (Auto Müller Hüttenberg)
Referent Norbert Müller (advavon) im Gespräch mit der Netzwerk-Vorsitzenden Sabine Fremery-Warnicke (Auto Müller Hüttenberg)

Der Austausch im Netzwerk Wirtschaft funktioniert auch virtuell

Das Netzwerk Wirtschaft Mittelhessen tagte gestern online in Form einer Web-Konferenz, mit dem Thema "Die CoronaPandemie – Wegweiser zur Bewältigung der wirtschaftlichen Folgen" hatte der Referent Norbert Müller (advacon) einen Nerv getroffen: das zeigten die Anmeldezahlen und die zahlreichen Reaktionen auf den lebendigen Vortrag. Den Gast begrüßte die Vorsitzende des Netzwerks Wirtschaft beim Regionalmanagement Mittelhessen, Sabine Fremerey-Warnecke, Geschäftsführerin des Autohauses Müller in Hüttenberg: „Harte Zeiten verlangen klare Richtungs-Entscheidungen und ein Anpacken des gesamten Teams im Unternehmen“. Deswegen bedankte sie sich für die Zusage. Norbert Müller, Geschäftsführer der advacon GmbH & Co. KG und Vorstandsvorsitzender des CompetenceCenter Duale Hochschulstudien StudiumPlus, dem Unternehmer-Verein hinter dem Dualen Studienangebot der Technischen Hochschule Mittelhessen, erklärte aufgrund seiner Erfahrungen, warum es besonders in der aktuellen Situation so bedeutsam ist, die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie schnell, wirkungsstark und nachhaltig zu beseitigen.

Der heimische Spitzenmanager konnte die Erfahrungen als Verantwortungsträger in der Industrie wie als Berater in die Waagschale werfen und ermutigte seine Zuhörer, die Krise zu nutzen, um bestehende Handlungsweisen radikal auf den Prüfstand zu stellen. Dies könne aber seiner Erfahrung nach nur unter Einbeziehung der Mitarbeiter funktionieren, denn "people are the power!", so sein Credo. Um Mitarbeiter zu motivieren, seien Eigenverantwortung und Engagement wichtig, vor allem aber die Umsetzung ihrer Ideen. Darüberhinaus seien die wichtigsten Handlungsfelder für Unternehmen finanzielle Stabilisierung, schnelle Markterfolge und Effizienzsteigerung in der Organisation.

Die Sicherung der Liquidität muss Vorrang haben

Vorrang vor allen Maßnahmen müsse jedoch die Sicherung der Liquidität haben. Eine Schlüsselrolle nimmt dabei der Vertrieb ein. Diesen solle man neu aufstellen und dafür mit digitalen Werkzeugen arbeiten. Auf der Kostenseite sei es der Einkauf, der aus seiner Erfahrung oft „echte Kostensenkungen“ liegen lasse. Alternative, kostengünstigere Materialien, Lieferketten, Verträge und auch das „Outsourcing“ bieten Möglichketen gerade in Krisenzeiten.

Am Ende seien es aber die Innovationen, die „für die Zukunftssicherung alternativlos“ sind, so Müller. Dabei stellte er praxisnah dar, dass es darum geht die Prozesse zu analysieren und neu zu denken. Die virtuellen Zuhörer stellten zahlreiche Nachfragen und diskutierten mit Norbert Müller in offener Runde. Auf die Frage nach den drei wichtigsten Tipps in Krisenzeiten resümierte der advacon-Geschäftsführer: „Nehmen Sie ihr Team mit, geben Sie klare Zielrichtungen vor und rüsten sie ihre Produkte und die notwendigen Prozesse digital um!“

Sabine Fremerey-Warnecke fasste abschließend ihr Fazit zusammen: „Krisen brauchen mutige Entscheidungen, neue Wege zu gehen. Dabei müssen Führungskräfte authentisch und transparent agieren. Nur so entstehen die notwendige Kultur und der Teamgeist, um weiter zu kommen.“