Background Image

Gigabitgesellschaft? Interview zum
Breitbandausbau in Mittelhessen

Gruppenbild beim 9. Hessischer Breitbandgipfel 2018: Breitbandberater Dennis Pucher, Jens Ihle (Regionalmanagement Mittelhessen), Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir, Landrätin Anita Schneider (Kreis Gießen), Breitbandberater Klaus Bernhardt (von links nach rechts, Foto: Jana Kay, HA Hessen-Agentur)

Interview mit den regionalen Breitbandberatern Klaus Bernhardt und Dennis Pucher

Hessen ist beim Breitbandausbau in den letzten Jahren gut vorangekommen und gehört inzwischen zu den bestversorgten Flächenländern. Tarek Al-Wazir, Hessischer Wirtschaftsminister erklärt dazu: „Ein wesentlicher Erfolgsfaktor des Breitbandausbaus in Hessen ist die lokale Vertretung über die regionalen Breitbandberater als Ergänzung der übergeordneten Beratungsinfrastruktur. Sie stehen Kommunen für die Erstberatung ebenso wie für die Begleitung der Projekte zur Verfügung. Ihre genaue Kenntnis der Regionen ist dabei ein großer Vorteil.“ Die Stelle der regionalen Breitbandberatung ist seit 2010 beim Regionalmanagement Mittelhessen angesiedelt. Al-Wazir: „Weil das so gut funktioniert, wollen wir künftig auch regionale Mobilfunkberatungsstellen einrichten.“ Die beiden Breitbandberater für Mittelhessen, Klaus Bernhardt und Dennis Pucher bieten anbieter- und technikneutrale Beratung und sind als freie Mitarbeiter angestellt.

Wir haben ihnen fünf Fragen zu aktuellen Themen rund um das schnelle Internet in Mittelhessen gestellt:
1. Herr Pucher, die Anbindung ans schnelle Internet ist Dauerthema. Wie steht es um die Versorgung in den mittelhessischen Landkreisen?

Dennis Pucher: Zunehmend besser. Die Landkreise Gießen, Lahn-Dill, Limburg-Weilburg und Marburg-Biedenkopf verfügen bereits heute mit über 95% der Haushalte über eine de facto flächendeckende Versorgung bis zu den Kabelverzweigern. Das bedeutet: das Internetsignal wird über schnelles Glasfaser übertragen und mittels Kupfer nur noch auf der so genannten „letzten Meile“ – also dem Weg vom Kabelverzweiger zum Haus. Wir haben hier Bandbreiten zwischen 25 Mbit/s und 100 Mbit/s im Downstream, die Zahlen variieren je nach Ausbaugebiet. Auch in Teilen des Vogelsbergkreises rollen die Bagger bereits. Der große Ausbau der Fläche folgt im Vogelsberg mit Abschluss der Vertragsverhandlungen am Anfang des Jahres 2019. Das Ziel ist, auch dort nach und nach eine Flächendeckung zu erreichen. Aktuell arbeiten alle Kreise daran, die Situation für private Haushalte mit weniger als 30 Mbit/s zu verbessern. Zusätzlich sollen alle Schulen und die noch unterversorgten Gewerbestandorte mit direkten Glasfaseranbindungen bis an das Gebäude versorgt werden. Diese Maßnahmen sollen bis 2021 in allen fünf Kreisen abgeschlossen sein. Eine wesentliche Unterstützung für die ausbauenden Kreise und Kommunen waren dabei die Fördergelder des Bundes und des Landes.

2. Wie unterstützen Sie als Breitbandberater für Mittelhessen diese Entwicklung?

/Dennis Pucher Dennis Pucher: Je nach Situation sehr unterschiedlich: In erster Linie haben die regionalen Breitbandberater eine wichtige Scharnierfunktion zwischen dem Breitbandbüro Hessen und den ausbauenden Kreisen und Kommunen. Wir kommunizieren die Entwicklungen in der Region auf Landesebene und bringen Neuerungen zurück in die Fläche. Wenn in Ausbauprojekten an der einen oder anderen Stelle Probleme auftreten, in denen das Land unterstützen kann, sind wir häufig als Troubleshooter eingebunden und vermitteln Gesprächspartner, um den Ausbau weiter voranzubringen. Wir sind zudem oft Ansprechpartner für Anfragen von Bürgerinnen und Bürgern sowie Gewerbetreibenden und Institutionen.
Regelmäßig sind wir regionalen Breitbandberater unter den ersten, die größere Veränderungen wahrnehmen und durch ihre Nähe zur Praxis auch die Folgen vor Ort abschätzen können. Das gilt gerade für Verordnungen, Gesetze und Förderrichtlinien. Wir gehören aber auch zu denen, die neue Ideen implementieren und verbreitern wollen. Viele wichtige Impulse auf Landesebene gehen daher auf unsere Initiativen zurück. Um sich hierbei auf dem aktuellen Stand zu halten, ist eine bundesweite Perspektive unerlässlich. Daher trifft man uns auch auf vielen Veranstaltungen im gesamten Bundesgebiet.

3. Wo sehen Sie die besonderen Herausforderungen der nächsten Jahre?

Dennis Pucher: Weil die Entwicklung immer weiter geht und gehen muss, sind die Herausforderungen enorm. Politik und Experten sind sich einig, dass nach dem Ausbau bis zu den Kabelverzweigern nun zügig auch die letzte Meile – und damit jedes Haus – mit Glasfaser erschlossen werden soll. Reicht die Glasfaser bis in das Gebäude, hat das einen enormen Zuwachs der möglichen Bandbreiten zur Folge. Allerdings ist die Umsetzung auch mit exorbitanten Kosten verbunden. Hier gilt es also, so kosteneffizient wie möglich zu arbeiten und das wird nur über die Nutzung von Synergien möglich sein. Es gibt bereits erste Ansätze auf Landesebene, die nun mit den Projektträgern in einem mehrstufigen Prozess weiter vertieft werden müssen.
Ähnlich wie das Datenvolumen der Haushalte in den kommenden Jahren immer weiter steigen wird, steigen auch die Erwartungen an das Mobilfunknetz. Gerade im ländlichen Raum müssen Funklöcher geschlossen und die Abdeckung mit mobilen breitbandigen Netzen verbessert werden. Das ist auch eine wesentliche Voraussetzung, um an der fortschreitenden Digitalisierung teilhaben zu können. Ohne ein umfassendes, mobiles Datennetz werden viele sensorgestützten Anwendungen nicht in der Fläche nutzbar sein.

4. Herr Bernhardt, das Förderprogramm des Landes für kommunale WLAN-Hotspots „Digitale Dorflinde“ ist mit starker mittelhessischer Beteiligung entstanden. Beschreiben Sie bitte kurz das Programm und ihre Einbindung.

Klaus Bernhardt Klaus Bernhardt: In unseren Gesprächen mit den Kommunen zeigte sich großes Interesse für ein Angebot von kostenlosen und einfachen WLAN-Hotspots. Daraufhin haben wir in unseren fünf mittelhessischen Landkreisen konkrete Bedarfsabfragen bei den Kommunen durchgeführt. Auf der Grundlage von öffentlich-rechtlichen Vereinbarungen aller Landkreise wurden für eine interkommunale Zusammenarbeit Fördermittel durch das Land Hessen bereitgestellt. Nachdem in Bayern und Rheinland-Pfalz landesweite Projekt bereits gestartet waren, entschied sich das Land Hessen ebenfalls auf der bereits erbrachten Vorleistung in Mittelhessen ein landesweites Programm zu gestalten. Gerne haben wir unsere Ergebnisse in das Projekt eingebracht. Als Projektleiter habe ich gemeinsam mit Martin Rudersdorf als Geschäftsführer der mittelhessischen kommunalen Zusammenarbeit, Vertretern der ekom21 sowie unter juristischer Begleitung der Anwaltskanzlei Muth & Partner in Fulda das Projekt im Auftrag des hessischen Wirtschaftsministeriums umgesetzt. Nach einer europaweiten Ausschreibung hat die ekom21 hat einen Rahmenvertrag mit IT-Innerebner aus Österreich abgeschlossen. Die Kommunen können seit September 2018 aus dem Rahmenvertrag entsprechende Beauftragungen mit einer Förderung durch die WIBank vornehmen. Das Förderprogramm sieht vor, dass jede Kommune bis zu 10 Hotspots mit jeweils 1.000 € gefördert bekommt. Seit dem Förderstart am 14. September 2018 haben sich bereits mehr als 200 Kommunen beteiligt. Bis zum Jahresende werden ca. 650.000 € Fördermittel bewilligt. Insgesamt sind 2 Mio. € Fördermittel für die Jahre 2018 und 2019 vorgesehen und nach der aktuellen Entwicklung ist die Nachfrage sogar größer als das bereitgestellte Fördervolumen.

5. Woran arbeiten die mittelhessischen Netzwerke aktuell? Gibt es neue Ansätze?

Klaus Bernhardt: Wir wollen eine zielorientierte Ausbauplanung für alle Kommunen entwickeln, die für jedes Gebäude einen direkten Hausanschluss vorsieht. Damit soll die Grundlage für einen Ausbau in den nächsten Jahren geschaffen werden und die Kommunen sollen bei den anstehenden Tiefbaumaßnahmen effizient unterstützt werden. Auch hier könnte die mittelhessische Initiative eine hessenweite Ausstrahlung bekommen und wir ein gemeinsames Projekt mit dem Land Hessen und allen Landkreisen/Kommunen in Hessen realisieren.

Jens Ihle, Geschäftsführer der Regionalmanagement Mittelhessen GmbH kommentiert abschließend: „Die Art der Zusammenarbeit des Landes Hessen mit seinen Regionen ist bei der Breitbandberatung aus meiner Sicht vorbildlich gelöst: Die Landes-Strategie wird vor Ort herunter heruntergebrochen und man hat Ansprechpartner, die sich auskennen. Zugleich fließen die Informationen direkt zurück nach Wiesbaden: wir sind dankbar für diese beispielgebende Zusammenarbeit.“

Netzwerk Wirtschaft macht
gemeinsame Sache mit dem Webmontag Gießen

Das Netzwerk Wirtschaft bei der Johannes Hübner Fabrik elektrischer Maschinen GmbH - diesmal gemeinsam mit dem Webmontag Gießen. (Foto: Tilman Lochmüller / Regionalmanagement Mittelhessen)

„Firmen, die nicht transformieren, werden auf der Strecke bleiben“

„New Economy“ trifft „Old Economy“: Eine gemeinsame Veranstaltung mit der Startup-Initiative Webmontag Gießen hat das Netzwerk Wirtschaft im Regionalmanagement Mittelhessen in der vergangenen Woche zum Anlass genommen, zum Ausklang des Jahres über digitale Geschäftsmodelle zu sprechen. Bei ab Idee ok!, dem Gründerzentrum der Johannes Hübner Fabrik elektrischer Maschinen GmbH, trafen sich über 50 Vertreterinnen und Vertreter von Unternehmen und Institutionen, um etwas über Beispiele aus der Praxis zu erfahren: Zu den Referenten gehörten Sven Herchenhein (efec AG), Dimitri Gärtner (Framen GmbH), Hamedo Ayadi (Intelligent Data Analytics GmbH & Co. KG) und Holger W. Dietz (Janitza electronics GmbH).

Die Liste der Vortragenden nach der Begrüßung durch den Netzwerk-Vorsitzenden Klaus Rohletter war nicht ohne Grund in „Startup“, „Grownup“ und „etabliertes Unternehmen“ gegliedert. „Lernen, lernen, lernen“, definierte Sven Herchenhein das Mantra auf dem Weg vom Starter zum arrivierten Player. Herchenhein, der mit seinem eigenen Unternehmen für mobile Anwendungen und Event-Lösungen efec aus eigener Erfahrung spricht, ist einer der Initiatoren des Webmontags Gießen. Der Webmontag veranstaltet nicht nur regelmäßige Treffen mit Referenten aller Coloeur, sondern organisiert auch Weiterbildungen und legt eigene Podcasts auf. Herchenheins Vortrag machte deutlich, was Startups eigentlich ausmachen: Sie fangen mit einem minimalen Produkt an, testen den Markt, bleiben dabei beweglich, wachsen schnell auf der Grundlage von Daten, optimieren ihre Wertschöpfungskette und sind geschickt auf dem Feld der Aufmerksamkeitsökonomie. Damit all dies Blüten tragen kann, bedürfe es allerdings auch Wagniskapital: „Da muss mehr passieren“ in Mittelhessen, sagte Herchenhein.

Davon kann auch Dimitri Gärtner aus eigener Erfahrung berichten: Der Co-Founder der Framen GmbH, die Services sowie Hard- und Software bereitstellen, um Fotografien auf Bildschirme aller Art zu streamen, hatte zu Beginn Kapital über eine Crowdfunding-Kampagne gesammelt, um einen ersten Prototypen zu bauen. „Wir könnten schneller wachsen“, sagte Gärtner jetzt, mit einem funktionierenden Produkt. Aber: Kapitalgeber verstünden oft das eigentliche Potenzial der Geschäftsidee nicht. Ramen produziert einerseits Apps und eine Cloud-Anwendung, um bequem Bilder von Trägern wie Smartphones oder Tablets auf beliebige Online-Geräte zu streamen. Andererseits stellt das Unternehmen auch einen TV-Stick her, mit dem jeder Flachbildschirm einen Foto-Stream empfangen kann. Interessant sei das nicht nur für Privatleute, die Ihre Urlaubsbilder der Familie bereitstellen wollen, sondern auch für Geschäftsleute, die so ansonsten ungenutzte Bildschirme für aktuelle Werbe-Informationen nutzen könnten.

Ein Beispiel für ein „Grownup“ in der Unternehmenswelt ist die Intelligent Data Analytics GmbH & Co. KG (iDA), die Betrieben mit Hilfe von „Big Data“ unter anderem Lösungen bei der Analyse von Daten und Digitalisierung von Abläufen bietet: Gründer und Vorstand Hamedo Ayadi berichtete, wie iDA, gegründet 2017 in Marburg, die vorhandenen Daten in einem Unternehmen zunächst standardisiert und dann analysiert, um Zusammenhänge zu erkennen und die Wertschöpfung zu optimieren. „Nur durchschnittlich drei Prozent der betrieblichen Daten werden analysiert“, zitierte Ayadi eine Studie der Unternehmensberatung McKinsey. Der studierte Wirtschaftspsychologe gab den Teilnehmern eine weitere Erfahrung mit auf den Weg: Neben der Informationstechnologie im Unternehmen müssten auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter „transformiert“, also mitgenommen werden. Und: „Firmen, die nicht transformieren, werden auf der Strecke bleiben.“

Referenten beim gemeinsamen Treffen des Netzwerks Wirtschaft mit dem Webmontag Gießen: Dimitri Gärtner (Framen GmbH), Hamedo Ayadi (Intelligent Data Analytics GmbH & Co. KG) und Holger W. Dietz (Janitza electronics GmbH) und Sven Herchenhein (efec AG) (Foto: Tilman Lochmüller / Regionalmanagement Mittelhessen)
Referenten beim gemeinsamen Treffen des Netzwerks Wirtschaft mit dem Webmontag Gießen: Dimitri Gärtner (Framen GmbH), Hamedo Ayadi (Intelligent Data Analytics GmbH & Co. KG) und Holger W. Dietz (Janitza electronics GmbH) und Sven Herchenhein (efec AG) (Foto: Tilman Lochmüller / Regionalmanagement Mittelhessen)

Holger W. Dietz von der Janitza electronics GmbH, einem Spezialisten für Energiemanagement- und messgeräte, vertrat bei diesem Webmontag die Kategorie der „etablierten Unternehmen“; der Betrieb mit Sitz in Lahnau kann seine Wurzeln bis in die 60er-Jahre zurückführen. Dietz sprach vor allem über Digitalisierung in Verbindung mit der Integration von Wertschöpfungsketten und so genannten Smart Products. Bei der allgemein als „Industrie 4.0“ bezeichneten aktuellen Evolutionsstufe der industriellen Entwicklung sei man in „anderen Teilen der Welt schon wesentlich weiter“, sagte er. „Abwarten und Teetrinken“ sei daher die falsche Strategie – auch wenn noch nicht alle Standards definiert seien. Denn: „Riesen wie Amazon und Google“ setzten in der Zwischenzeit eigene Standards „ohne zu fragen“. Sein Fazit: Wichtig seien vor dem Hintergrund der technischen Möglichkeiten vor allem die „Auswirkungen auf das Geschäftsmodell“. So werde künftig mehr Nutzen und Leistung im Vordergrund stehen als die Herstellung und der Verkauf von Produkten.

Jens Ihle, Geschäftsführer des Regionalmanagements Mittelhessen, rief in seinem Schlusswort dazu auf, sich vom Denken in Kategorien zu verabschieden. „Das ist ein ‚Mindset‘ von gestern.“ Ein Format wie die gemeinsame Veranstaltung des Netzwerks Wirtschaft mit dem Webmontag Gießen, bei dem Vertreter aus allen Bereichen zusammenkämen, sei dabei der richtige Anfang.

Hessische Startups
trainieren im Silicon Valley

Gruppenbild der Delegations-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer aus Mittelhessen zusammen mit den Organisatoren vor der Stanford Universität
Die mittelhessischen Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Delegation zusammen mit den Organisatoren vor der Stanford Universität, v.l.n.r.: Michael Lukaszczyk (GraphCMS GmbH), Jens Ihle (Regionalmanagement Mittelhessen), Stefan A. Oberhansl (GERINA AG), Geneviève Larsen (Hedonist GmbH), Dr. Rainer Waldschmidt (HA Hessen Agentur), Felix Bonn (Nolta GmbH), Dirk Rudolf (FinTecSystems GmbH), Markus Fischer (Nolta Nova GmbH & Co. KG), Bernd Kistner (Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung), Jürgen Schneider (Hessen Trade & Invest GmbH)

Delegation von HTAI und Wirtschaftsministerium mit Regionalmanagement Mittelhessen auf „Company Mission“

„Ich möchte eine Tech-Company mit 200 bis 400 Mitarbeitern bauen“, sagt „GraphCMS“-Geschäftsführer Michael Lukaszczyk aus Mittelhessen. Mit seinem Datenbanktool können Inhalte auf Apps, Webseiten und andere Plattformen übertragen werden. Das 2017 gestartete Unternehmen wächst schnell und beschäftigt aktuell 16 Mitarbeiter. Für Lukaszczyk ist es nun wichtig, internationales Geschäft zu gerieren – wie für alle 15 Startups, die zusammen mit der Hessen Trade & Invest GmbH (HTAI) und dem hessischen Wirtschaftsministerium am 1. Advent nach San Francisco geflogen sind

„Wir wollen Startups fit machen für die internationalen Märkte. Mit einem anspruchsvollen Programm: Mehrere Tage Pitch-Training, Unternehmensbesuche, Vorträge und eigene Präsentationen liegen hinter uns“, berichtet Dr. Rainer Waldschmidt, Geschäftsführer der HTAI, kurz vor dem Rückflug. Die „Company Mission“ führte die Unternehmensvertreter vom 2. bis 7. Dezember 2018 ins Silicon Valley, an die Stanford Universität und in die Zentralen von LinkedIn und SAP in Palo Alto.

US-Markt verspricht vielfältige Chancen für Hessen

Zwischen der hessischen und der amerikanischen Wirtschaft bestehen seit vielen Jahrzehnten vielfältige und intensive Verbindungen, die wiederum Anknüpfungspunkte für weiteres Geschäft darstellen. „Im Jahr 2017 wurden Güter im Wert von sieben Mrd. Euro in die USA exportiert, womit diese der wichtigste Handelspartner Hessens sind“, zitiert Dr. Waldschmidt aus der neuen Länderstudie der Hessen Agentur zu den Wirtschaftsbeziehungen zwischen Hessen und den USA. Alles spreche für die Attraktivität des US-Marktes: „Allein die Größe des Marktes sowie das aktuell hohe Wachstum versprechen vielfältige Chancen.“
Deswegen zieht es auch hessische Startups in die USA. Dirk Rudolf, Geschäftsführer der Lindener FinTecSystems GmbH erklärt: „Die Reise nach San Francisco war für mich persönlich, aber auch für die FinTecSystems von großem Nutzen. Auf der einen Seite haben wir einen engeren Austausch zwischen den hessischen Teilnehmern forcieren können, welcher in Zukunft weiter ausgebaut wird. Auf der anderen Seite haben wir eine faszinierende Stadt kennengelernt und erlebt, wie die Stadt tickt und Firmen, vom kleinen Startup hin zu multinationalen Unternehmen sich nach aussen präsentieren und nach innen arbeiten. Vieles von dem, was ich gesehen habe, werde ich nun mitnehmen in meine Firma, um dort den ein oder anderen Ansatz neu zu denken.“ Murat Karakaya von „CargoSteps“ war nicht zum ersten Mal auf einem Startup-Event in San Francisco. „Wir wollen in den USA Fuß fassen. Unsere Innovationen im Bereich der Luftfracht-Logistik sind gerade für das internationale Fracht-Geschäft sehr gut geeignet“, erklärt Karakaya während der „Company Mission“.

„Wir werben offensiv in den USA“

Die Erschließung des US-Marktes sowie ein Standort in den USA entfalten daher im Softwarebereich eine Signalwirkung, welche die Erschließung weiterer Märkte erleichtert, bilanziert die Studie der Hessen Agentur. „Das gilt auch für andere Segmente“, sagt Jens Ihle, Geschäftsführer des Regionalmanagements Mittelhessen. „Es ist wichtig, sich mit der Software- und Lernmaschine des Silicon Valley auseinanderzusetzen. Wir können auf diese Weise Impulse für digitale Entwicklungen aufgreifen und in den von kleinen und mittelständischen Unternehmen geprägtenWirtschaftsstandort Mittelhessen importieren.“ Ihle, Dr. Waldschmidt und Bernd Kistner aus dem hessischen Wirtschaftsministerium betonen: „Wir werben offensiv in den USA!“
Quelle: HTAI

Dr. Ullrich besucht
Mittelhessenbotschafter Prof. Schäfer

Prof. Dr. Jürgen Schäfer (r.) im Gespräch mit Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich und seinen Mitarbeiterinnen (v.l.) Dr. Tanja Nickolaus und Dr. Katrin Richter-Bastian (Foto: RP Gießen)
Prof. Dr. Jürgen Schäfer (r.) im Gespräch mit Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich und seinen Mitarbeiterinnen (v.l.) Dr. Tanja Nickolaus und Dr. Katrin Richter-Bastian (Foto: RP Gießen)

„Mittelhessen ist innovativ – sei es in der Wirtschaft, Forschung oder auch in der Medizin“

„Wenn ich höre, dass jährlich Hunderte verzweifelter Patienten mit teils jahrzehntelangen Leidensgeschichten nicht nur Gehör, sondern auch zum ersten Mal eine Erklärung für ihre Leiden finden, dann ist das ein weiterer Beweis für meine Behauptung: Mittelhessen ist innovativ – sei es in der Wirtschaft, Forschung oder auch in der Medizin.“ Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich, Vorsitzender des Vereins Mittelhessen, besuchte das Zentrum für unerkannte und seltene Erkrankungen – kurz ZusE genannt – im Universitätsklinikum Gießen und Marburg (UKGM). Der Mediziner Prof. Dr. Jürgen R. Schäfer ist nicht nur Leiter des Zentrums, sondern seit September auch Botschafter Mittelhessens. In dieser Funktion hatte er den RP nach Marburg auf die Lahnberge eingeladen.

„Ein mittelhessischer Botschafter hat eine wichtige Aufgabe“, berichtet Christoph Ullrich, der sich auch als Vorsitzender des Vereins Mittelhessen e.V. für die Steigerung der Identität der Region Mittelhessen einsetzt. „Er nutzt seine Bekanntheit dafür, um sich genau dafür einzusetzen und öffentlich immer wieder über die Vorzüge zu sprechen, die das Leben und Arbeiten hier mit sich bringen.“ Professor Schäfer hat sich als „der deutsche Dr. House“ einen Namen gemacht. Er und sein Team werden immer dann aktiv, wenn sich Menschen an ihn wenden, die mit ihren speziellen Erkrankungen durch die Maschen der Medizin gefallen sind.

„Unser eigentlich vorbildliches Gesundheitssystem funktioniert im Großen und Ganzen hervorragend“, erläutert Schäfer bei einem Rundgang durch das Klinikgebäude. „Gerade auch in Mittelhessen haben wir dank dem UKGM und anderen Versorgern eine exzellente Situation, um die uns viele andere Regionen beneiden.“ Aber leider habe es an der einen oder anderen Stelle kleinere Lücken, durch die gerade Menschen mit seltenen oder komplexen Erkrankungen allzu leichtfallen. Dass das UKGM in Marburg für diese Menschen eine Anlaufstelle geschaffen habe, freue ihn sehr. „Dennoch, die Tausenden von Anfragen aus der ganzen Republik schaffen wir alleine als kleines Zentrum nie, hier brauchen wir und unsere Patienten dringend mehr bundesgesundheitspolitische Unterstützung.“
Der Besuch führt in einen unspektakulären Raum, vollgestellt mit Schreibtischen, Computern, Scannern und Druckern, vor allem aber mit vielen Akten. Dieser wenig attraktive Raum ist die Denkfabrik des ZusE. Hier bearbeiten Dr. Tanja Nickolaus, Dr. Katrin Richter-Bastian und Dr. Julia Sharkova medizinische Fälle mit dem notwendigen Gespür von gewieften Detektivinnen. Es sind mit die kompliziertesten Fälle aus ganz Deutschland, die von anderen Ärzten aus oft unterschiedlichen Disziplinen ohne schlüssige Diagnose aufgegeben worden sind. Hinter jedem Fall steckt ein bewegendes Patientenschicksal. „Manchmal bringt uns ein einziger Wert in einer oft jahrelangen Leidensgeschichte auf die richtige Spur“, erklärt der als „Arzt des Jahres 2013“ und für seine Lehrmethoden preisgekrönte Mediziner.

Im Labor fahnden Dr. Volker Ruppert (2.v.l.) und Dr. Muhidien Soufi (2.v.r.) nach den Ursachen für mysteriöse Krankheiten.
Im Labor fahnden Dr. Volker Ruppert (2.v.l.) und Dr. Muhidien Soufi (2.v.r.) nach den Ursachen für mysteriöse Krankheiten.

Viele Stockwerke tiefer befindet sich im Keller das zweite Herzstück des Zentrums für unerkannte und seltene Erkrankungen: Das Labor oder „der Maschinenraum“, wie Schäfer sagt. Das ist etwa zehn Mal so groß wie das kleine, dunkle Büro des Professors. Und das darf es auch gerne sein, wie Jürgen Schäfer betont: „Wichtiger als protzige Büros sind uns gut funktionierende Arbeitsbereiche. Hier haben wir die modernsten Methoden zur Analyse, vom Massenspektrometer bis hin zum Gensequenzierer, dafür bin ich sehr dankbar.“ Hier finde Grundlagenforschung und Klinik zusammen.
„Es ist ein Privileg und eine Stärke der Marburger Universitätsmedizin, solch enge Verbindungen zu haben.“ Dr. Volker Ruppert und Dr. Muhidien Soufi sind die zwei Experten, die mit High-Tech aus Blut-, Stuhl- oder Gewebeproben der Patienten mysteriöse Fälle lösen. Dabei arbeitet das ZusE-Team nicht nur mit den Instituten am Klinikum in Marburg eng zusammen, sondern auch mit der Schwesterklinik in Gießen und der Technischen Hochschule Mittelhessen. Selbst die Tiermediziner der Justus-Liebig-Universität werden ab und an bei speziellen Fragestellungen zu Rate gezogen.

Für solch komplizierte Patienten, wie sie das ZusE immer wieder zu sehen bekommt, ist die Region Mittelhessen mit all den Forschungseinrichtungen ein absoluter Glücksfall. „Nicht nur, dass wir exzellente Kliniker und Forscher in Mittelhessen recht nah beisammen haben und dank dem Hessen-Ticket auch alle rasch erreichen können“, sagt Schäfer, „es ist die unglaubliche Hilfsbereitschaft all der Kolleginnen und Kollegen in unserer Region, die uns bei vielen Problemfällen enorm weiterhilft.“
So wie etwa bei dem Patienten, dessen Laborwerte im ZusE-Labor auf einen Parasitenbefall durch einen tropischen Wurm hinwiesen. Zur definitiven Klärung verhalf dem ZusE-Team letztendlich ein Tierarzt, der das Wurmei aus dem Stuhl des Patienten isolieren konnte. Auf Rückfrage stellte sich heraus, dass der Mann zwar nie in den Tropen war, dafür aber als begeisterter Aquarist zahlreiche Wasserbecken mit tropischen Fischen und Schnecken in Betrieb hatte. Der eigentlich nur in den Tropen vorkommende Erreger muss durch frisch importierte tropische Fische und Schnecken ins Haus des Patienten geraten sein. Dank der Diagnose konnte der Patient in drei Tagen medikamentös therapiert und von dem oftmals zum Tode führenden Parasiten befreit werden.
„Wir wissen es zu schätzen, dass wir uns hier genügend Zeit für jeden einzelnen Menschen nehmen können. Ein engagiertes Team, genügend Zeit zur medizinischen Detektivarbeit und die Infrastruktur einer modernen, patientenbezogenen Universitätsklinik sind für unsere Arbeit der Schlüssel zum Erfolg“, sagt Professor Schäfer am Ende des RP-Besuchs. Dies sei das Geheimnis, warum das ZusE selbst im Deutschen Ärzteblatt als „Letzte Hoffnung Marburg“ bezeichnet worden ist.

Newcomers Day im
Escape Room Gießen

Gruppenbild der Newcomer mit Petra Stuhlmann (vierte von rechts) vor dem "Laboratorium"
Gruppenbild der Newcomer mit Petra Stuhlmann (vierte von rechts) vor dem "Laboratorium"

Auf Einladung des Arbeitskreises Willkommenskultur des Regionalmanagements Mittelhessen besuchte eine Gruppe von Newcomern in Begleitung von Petra Stuhlmann von der Wirtschaftsförderung der Stadt Gießen einen Escape Room in Gießen. Die Gruppe löste gemeinsam ein kniffliges Problem der etwas anderen Art:

Unter dem Titel „Biohazard - Alarm im Hochsicherheitslabor“ wurden zwei Teams mit der Situation konfrontiert, dass ein tödlicher Virus ausbricht. Die Aufgabe der Teilnehmer und Teilnehmerinnen ist, gemeinsam innerhalb einer Stunde das Antivirus zu finden, und: Die Uhr tickt... Nachdem unter Hochspannung gerätselt, diskutiert und nach Lösungen gesucht wurde - beide Teams schafften es, das Antivirus zu finden - kam der entspannende Teil des Abends. Bei Informationen zur Region und einem kleinen Snack ließen die neuen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer von Unternehmen und Hochschulen das Event ausklingen.

Weitere Informationen für Newcomer - die nächsten Newcomers Days - und für Personalverantwortliche in Mittelhessen - für die es einen eigenen Newsletter gibt - finden Sie auf welcome.mittelhessen.eu.

Die Newcomers Days werden unterstützt durch die hessische Wirtschaftsförderung Hessen Trade & Invest, die Stadtwerke Gießen sowie die AOK Hessen.