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Wie Gastronomen im ländlichen Raum
als Arbeitgeber attraktiv sein können

Workshop der Akademie für den ländlichen Raum Hessen in Kooperation mit dem DEHOGA Hessen und dem Regionalmanagement Mittelhessen bei der Präsentation von Manuel Heinrich (Foto: Englert)
Workshop der Akademie für den ländlichen Raum Hessen in Kooperation mit dem DEHOGA Hessen und dem Regionalmanagement Mittelhessen bei der Präsentation von Manuel Heinrich (Foto: Englert)

Speziell für die Zielgruppe der Land-Gastronomie lud die Akademie für den ländlichen Raum Hessen in Kooperation mit dem DEHOGA Hessen und dem Regionalmanagement Mittelhessen am 28. Oktober 2019 zu der Veranstaltung „Attraktiver Arbeitgeber sein – und das fürs eigene Marketing nutzen!“ in die Burg Gleiberg in Wettenberg ein. Nach einer Programmeinführung durch Kerstin Weis von der Akademie gab es zwei Impuls-Vorträge: Unternehmenscoach und Personalleiterin Anja Hercher-Seck aus Frankfurt sowie Michel van Goethem von der Gastronomieberatung HORECA sprachen über die Attraktivitätssteigerung von Arbeitgebern: Da das Personal im Gastronomiegewerbe aufgrund des Fachkräftemangels mittlerweile die Auswahl zwischen verschiedenen Betrieben hat, sei es wichtig, die Bedürfnisse der Mitarbeiter in den Mittelpunkt zu stellen, um sie zu halten. Ein Entgegenkommen müsse dabei nicht unbedingt monetär sein, nachhaltig sei vor allem die entgegengebrachte Wertschätzung. Auch das Tauschen von Personal untereinander zwischen saisonal arbeitenden Betrieben habe sich ebenso bewährt wie flexiblere Teilzeitmodelle, die zugleich familien- und beziehungsfreundlich seien.

Anschließend stellte Manuel Heinrich das Regionalmanagement Mittelhessen und seine Projekte vor. Ein Schwerpunktbereich sei das Netzwerk Bildung, welches „das Thema Fachkräfte ganz oben auf die Agenda (…)“ gesetzt habe. Da Arbeit mit dem Leben eng verbunden ist, hat sich das Regionalmanagement zum Ziel gesetzt, die Bekanntheit regionaler Arbeitgeber zu steigern und zugleich das Image der Region weiter zu verbessern. Zu diesem Zweck ist das Regionalmanagement Kooperationspartner des von der ontavio GmbH betriebenen Portals karriere-mittelhessen.de. Mittelhessen als Region für Arbeit und Leben stelle man gemeinsam auf Jobmessen an den Hochschulen wie der Karriere Weltweit vor. Als konkretes Angebot gibt es dezentrale kostenfreie Newcomer Days für neue Arbeitnehmer in Mittelhessen und praxisorientierte Workshops für Arbeitgeber, die vom Arbeitskreis "Neue Wege zur Fachkräftesicherung" des Regionalmanagements Mittelhessen konzipiert werden. Dessen Arbeit stellte der Arbeitskreisleiter Frank Schmidt (Zentrum Arbeit und Umwelt Gießener gemeinnützige Berufsbildungsgesellschaft mbH) vor, danach folgte seine Kollegin Katja Lowak mit dem "Netzwerk Bildung und Beratung für die Gastronomie". Schließlich berichtete der Gleiberger Burg-Gastronom Axel Horn aus der Praxis: Er beschäftigt derzeit sieben Auszubildende und berichtete von guten persönlichen Erfahrungen bei der Integration von Flüchtlingen. Er konstatierte "Der Fachkräftemangel ist hausgemacht!" und führte das auf das Image der Gastronomie zurück; mit einem Film und viel persönlichem Engagement arbeitete er dagegen: "Betreuung und Motivierung ist ganz wichtig!"

Bei der abschließenden Diskussionsrunde zwischen allen Teilnehmern aus ganz Hessen kristallisierte sich heraus, dass der Austausch und die Kooperationen zwischen Gastronomiebetrieben Vorteile für alle mit sich bringt und dass das Konkurrenzdenken überholt sei. Auf diese Weise können auch Gastronomen attraktive Arbeitgeber sein, Personal gewinnen und halten und so die Kultur im ländlichen Raum erhalten.

Ausgebuchte Führung durch den
Marburger Lokschuppen mit Gunter Schneider

Gunter Schneider, Geschäftsführer der Schneider Optikmaschinen aus Fronhausen, informierte über das Konzept zur Revitalisierung des Industriedenkmals und ermöglichte zusammen mit dem Architekt Bernward Paulick einen Blick hinter die Kulissen der Baustelle (Foto: Hörster)
Gunter Schneider, Geschäftsführer der Schneider Optikmaschinen aus Fronhausen, informierte über das Konzept zur Revitalisierung des Industriedenkmals und ermöglichte zusammen mit dem Architekt Bernward Paulick einen Blick hinter die Kulissen der Baustelle (Foto: Hörster)

Von der Industriebrache zum kreativen Knotenpunkt: Veranstaltung im Rahmen der Initiative „Industriekultur Mittelhessen“

Am 23. Oktober fand eine exklusive Besichtigung des Marburger Lokschuppen statt. Investor Gunter Schneider, Geschäftsführer der Schneider Optikmaschinen aus Fronhausen, informierte über das Konzept zur Revitalisierung des Industriedenkmals und ermöglichte zusammen mit dem Architekt Bernward Paulick einen Blick hinter die Kulissen der Baustelle. Aus Sicherheitsgründen war die Teilnehmerzahl begrenzt - rund 40 Personen nahmen an der ausgebuchten Führung teil. Nach der Bewerbung mit einem Nutzungskonzept hatten die Investoren die Ausschreibung der Universitätsstadt Marburg gewonnen, 2018 erfolgte die Unterzeichnung des Kaufvertrages für die sanierungsbedürftige historische Bausubstanz des Lokschuppens und des angrenzenden Werkstattgebäudes auf dem Marburger Waggonhallenareal. Die Baugenehmigung ist inzwischen erteilt, die Fertigstellung erfolgt voraussichtlich Ende 2020. Der Lokschuppen soll zukünftig drei Elemente enthalten:

Ein Veranstaltungszentrum für bis zu 1.000 Personen, einen Bereich für Startups und eine verbindende Gastronomie; im ehemaligen Werkstattgebäude entsteht ein Hotel. Gunter Schneider erläuterte auf Basis zahlreicher Bilder den Stand der Bauarbeiten: Sämtliche Fundament- und Gründungsarbeiten sind ebenso beendet wie die Entwässerungs- und Kanalarbeiten und auch die Bodenplatte im Erdgeschoss ist bereits fertig gestellt. Derzeit laufen die Sanierungsarbeiten an den historischen Holzbindern. Schneider ist es wichtig, den Charakter der Industriearchitektur zu erhalten, um die kreative und innovative Arbeit der Gründerinnen und Gründer zu fördern. Er legt zudem Wert auf die Zusammenarbeit mit erfahrenen Handwerkern, um die historischen Bauelemente zu restaurieren und für die Wiederverwendung herzurichten. Die Arbeiten beinhalten einen enormen infrastrukturellen Aufwand, da Radwege verlegt und Versorgungsleitungen neu gelegt werden müssen. Schneider lobte die gute Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden und dem Denkmalschutz.

Es gab viele Nachfragen der Besucherinnen und Besucher sowie ein durchweg positives Feedback. Mit dabei war auch ein Team der Oberhessischen Presse, die eine Bildergalerie und einen Film veröffentlichten:

Immobilien-Entwicklung mit
mittelhessischem Teamgeist

Eine starke Gemeinschaft am Mittelhessenstand: die 36 Standpartner und Sponsoren waren drei Tage lang auf der größten europäischen Gewerbeimmobilienmesse (Foto: Tilman Lochmüller)

Gemeinschaftsstand zum 15. Mal auf der Expo Real in München - Vertragsabschluss für Hochhaus-Bau von Lupp - Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir zu Gast

Wie können der ländliche Raum, aber auch die Ballungsgebiete der Region von der Dynamik des Immobilien-Booms profitieren? Diese Frage stand für viele Vertreter der Kommunen und Unternehmen am mittelhessischen Gemeinschaftsstand im Fokus. Insgesamt 36 Teilnehmer haben sich vom 7. bis 9. Oktober 2019 auf der Expo Real in München unter dem Dach des Regionalmanagements Mittelhessen zusammengetan, um auf der größten europäischen Immobilienmesse Präsenz zu zeigen, Kontakte zu pflegen und Projekte zu entwickeln. Die Experten sehen noch kein Ende des Booms, wie Sina Lupp von der Adolf Lupp GmbH & Co KG aus Nidda erklärt: „Wir sind bis Ende des nächsten Jahres komplett ausgelastet. Heute konnten wir heute einen Vertrag über die Erstellung eines Hochhaus-Rohbaus für das Büroturmprojekt „99 West“ im Frankfurter Senckenberg-Quartier unterzeichnen. Mit 23 Millionen Euro war das war bisher der größte Erfolg, den wir direkt mit nach Hause nehmen können.“ Dem können auch die weiteren Unternehmen am Stand zustimmen:

Jörg Fischer von der GHI Gesellschaft für Handel und Immobilien mbH aus Linden beschäftigte sich konkret mit einem großen Pflegeheim mit betreutem Wohnen in Weimar und einem Fachmarktzentrum in Braunfels: „Wir sind sehr zufrieden. Das ist eine tolle Plattform und ich bin begeistert, wie das Ganze gewachsen ist. Man macht sich aber auch Gedanken: wohin geht die Reise im Immobilienmarkt?“ Jochen Ahl, Senior Partner der IMAXX bilanziert: „Eine so starke Dynamik habe ich seit 30 Jahren bisher nicht erlebt, der Markt ist extrem in Bewegung, wir in Mittelhessen sind mittendrin im Geschehen und haben einen guten Anteil daran. Durch die Nähe zum Rhein-Main-Gebiet profitieren wir gewaltig.“ Dem konnte auch Klaus Rohletter zustimmen, Vorstandssprecher der Limburger Bauunternehmung Albert Weil AG: „Wir glauben, dass der Boom auch in Mittelhessen weitergeht, dass aber andere Themen eine Rolle spielen: der Einzelhandel ist weniger bedeutsam, dafür steigt die Nachfrage im Bereich Wohnraum, hier werden mit Flächen und Baurecht neue Angebot geschaffen.“ Die Limburger Amadeus Group habe ihre Heimatregion wieder in den Fokus genommen, wie Geschäftsführer Dirg Parhofer erläutert: „Wir machen jetzt mehrere Projekte in Limburg, unter anderem rund 100 Wohnungen im ICE-Gebiet, wo wir natürlich versuchen, bezahlbaren Wohnraum möglich zu machen. Dort sind die Grundstückswerte noch in einer überschaubaren Größenordnung und deswegen sind wir sind guter Dinge, dass wir das auch hinbekommen.“ In drei Tagen auf der Expo Real spreche er mit so viele Menschen wie normalerweise in drei Monaten im Büro. „Jeder ist hier, die Entscheider sind hier, da kann man Dinge direkt zum Abschluss bringen.“

Der Hessische Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen, Tarek Al-Wazir im Gespräch (im blauen Hemd, Foto: Tilman Lochmüller)

Einer der Besucher auf dem Mittelhessenstand war der Hessische Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen, Tarek Al-Wazir, der sich bei Vertretern mittelhessischer Banken über die Gefahr einer Immobilienblase erkundigte. Dr. Peter Hanker, Vorstandssprecher der Volksbank Mittelhessen verneinte das für die Region. „Solange Mieten bezahlt werden, gibt es der Markt her“, hieß es von den regionalen Bankern, und dass Mittelhessen ein Standort sei, an dem man gut miteinander umgehe. Dennoch: „Vier von zehn Darlehensanfragen werden abgelehnt. Das zeigt, wie genau Kreditanfragen auf Nachhaltigkeit geprüft würden,“ betonte Dr. Lars Witteck, Vorstand der Volksbank Mittelhessen. Er zeigte sich begeistert von der Frequenz am Stand der Region Mittelhessen und den Gesprächen mit Externen und zwischen den Playern in der Region. „Alle arbeiten gemeinsam an dem Ziel, die Region nach vorne zu bringen, den ländlichen Raum zu stärken und bezahlbaren Wohnen zu ermöglichen.“ Dem konnte auch Ilona Roth, Vorstand der Sparkasse Gießen zustimmen: „Wenn Immobilien da sind, werden sie vom Markt aufgenommen. Es mangelt eher an Flächen.“ Bei Daniel Beitlich von der Revikon GmbH erkundigte sich der Minister nach der Akzeptanz in der Bevölkerung bei der Ansiedlung von Logistik-Unternehmen wie dem Versandhändler Otto in Gießen. Da das „Gewerbegebiet am alten Flughafen“ bereits vor der Konversion für Logistik genutzt worden sei, gebe es hier keine Schwierigkeiten, sagte Beitlich. Vielmehr kompensiere die Otto-Ansiedlung den Jobverlust, der durch den Abzug der US-Armee und ihrer Einrichtungen entstanden sei. Alte Flächen wie diese aufzubereiten, sei das Geschäftsmodell von Revikon und werde nun auch von weiteren Kommunen angefragt. Al Wazir fragte auch nach dem nachhaltigen Mobilitätskonzept, mit dem Mitarbeiter künftig in die Gewerbegebiete kommen sollen. Das Gebiet am alten Flughafen sei ein Paradebeispiel: gut an die Stadt angebunden und trotzdem nah an der Autobahn, das mache für einen Logistiker, der in allen Bereichen viele Arbeitskräfte brauche, viel aus und sei die Alternative zur grünen Wiese. Gießens Bürgermeister Peter Neidel berichtete von weiterhin großem Interesse bei den Investoren: „Wir haben als Stadt leider keine eigenen Flächen mehr, aber wir haben private Investoren und Eigentümer von Flächen, wo wir gerne vermitteln und Ansiedlungen befördern möchten.“ Von sehr konkreten Anfragen in Richtung Logistik wusste auch Dr. Jens Mischak, Kreisbeigeordneter des Vogelsbergkreises: „Für uns als ländlich geprägter Landkreis ist das immer relevant. Nach der großen Ansiedlung in Mücke müssen wir in den nächsten Jahren schauen, dass wir mehr Flächen bekommen. Die Städte entlang der Autobahnen sind immer interessant für potenzielle Investoren.“ Die Gewerbegebietsentwicklung in Mittelhessen war auch das Thema von Wetzlars Oberbürgermeister Manfred Wagner: „Wir verspüren zunehmen, wie schwierig es wird, entsprechende Gebiete aufzuschließen und glaube, wir brauchen unbedingt entsprechende Gebiete, um die Potentiale, die Mittelhessen hat, weiter zu verstärken. Wenn wir uns die Aussagen der Regionalentwicklungen anschauen, welche Flächenpotentiale es in Zukunft gibt entlang der Hauptverkehrsachsen, dann werden wir uns miteinander Gedanken machen müssen: wo schaffen wir natur- und artenschutzrechtliche Ausgleichsflächen. Das ist ein spannender Punkt und es lohnt sich, das interkommunal miteinander anzugehen.“

Dr. Marius Hahn (Bürgermeister der Stadt Limburg), Jens Ihle (Geschäftsführer des Regionalmanagements Mittelhessen), Minister Tarek Al-Wazir, Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich, Wolfram Dette (ehrenamtlicher Kreisbeigeordneter Lahn-Dillkreis, v.l.n.r., Foto: Tilman Lochmüller)

Mit seiner Regionalplanung war das Regierungspräsidium Gießen zum ersten Mal auf der Messe vertreten. Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich betonte: „Weil wir die Herausforderungen am besten partnerschaftlich und gemeinsam angehen, bieten an, direkt vor Ort erste Gespräche zu Umsetzungen zu führen.“ Planer Harald Metzger erklärte: „In der Neuaufstellung des Regionalplans Mittelhessen wird das Thema Gewerbeflächen ein beherrschendes Thema. Wir sind im Moment dabei, ein Gewerbeflächenkonzept aufzustellen, das derzeit in die Endphase geht. Hier auf der Messe kommen wir außerhalb der öffentlichen Abfrage auch informell mit den Betroffenen ins Gespräch.“ Die Behörde betrete auf diesem Weg Neuland. Dr. Ullrich ist von dem Auftritt angetan: „Alles, was in Mittelhessen in der Immobilienwirtschaft Rang und Namen hat, ist hier in München versammelt.“

Bei Stephan Faber von Faber & Schnepp erfuhr der Minister Tarek Al-Wazir auch von den Problemen mittelständischer Bauunternehmen: So gebe es mangels neuer Steinbrüche kaum Möglichkeiten, bei Bauarbeiten entstandenen Erdaushub zu verfüllen. Zudem gebe es Rohstoff-Probleme beim Straßenbau. Der für den Asphalt notwendige qualitativ gute Stein wandere zunehmend in die Beton-Mischungen der Baustellen im Rheinmain-Gebiet. Doch man profitiere auch von der Nähe der Metropolregion, so Wolfram Dette, der als Dezernent des Lahn-Dill-Kreises vor Ort war: „Das bezahlbare Wohnen in Mittelhessen sehe ich als Attraktivitätschance gegen die hochverdichtete Rhein-Main-Region, wo das Wohnen so teuer und schwierig geworden ist, dass die Leute lieber pendeln. Und dem Pendeln können wir entgegenwirken, indem wir Arbeitsplätze vor Ort bereit halten.“ Dies könne unter anderem durch Co-Working funktionieren, sich die kommunalen Wirtschaftsförderer einig: Dr. Manfred Felske-Zech vom Landkreis Gießen ist überzeugt: „Coworking gewinnt im ländlichen Raum an Bedeutung: die Verkehrsströme in die Metropolen kann ich vor allem im Dienstleistungsbereich dadurch vermindern, indem ich Möglichkeiten im ländlichen Raum anbiete, so dass Pendlerbewegungen eingeschränkt werden können. Wir aktivieren den ländlichen Raum als Ort zum Leben und Arbeiten. Wenn sich kleinere Unternehmen dort ansiedeln, bleiben die Arbeitswege so kurz wie möglich, das verbinde ich mit einer hohen Lebensqualität. So wird und bleibt Leben auf dem Land attraktiv.“ Dr. Blümling von der Stadt Marburg ergänzt: „Bedarf ist da am mobilen Arbeiten, Notebook auspacken, irgendwo hinsetzen, dann loslegen. Diese Möglichkeiten werden von immer mehr Unternehmen geschaffen und von Selbständigen so schon genutzt und da werden auch wir uns entsprechend bewegen.“ Dr. Hüttemann vom Landkreis Marburg-Biedenkopf ergänzt: „Sowas wird auch in ambitionierten Mittelzentren realisiert, und auch von kommunaler Seite kann man dadurch ein Handlungsfenster aufmachen. Auf diese Weise können wir innovative Unternehmen gewinnen, die neue Wege gehen.“ Dem stimmt auch Dr. Marius Hahn, Bürgermeister der Stadt Limburg zu: „Unternehmen sagen bewusst, wir gehen aus dem Ballungsgebiet mal raus und schauen uns andere Regionen an, davon kann natürlich auch Mittelhessen profitieren.“ Dass neben den Arbeitsplätzen die Fachkräfte ein Thema sind, weiß auch Dr. Mischak: „Das ist die größte Herausforderung und geht auch unsere Bestandsunternehmen an, ganz losgelöst von neuen Ansiedlungen.“

Jens Ihle, Geschäftsführer des Regionalmanagements Mittelhessen betonte die Besonderheit des Gemeinschaftsstandes: „Nach 15 Jahren auf der Expo Real ist mir in diesem Jahr besonders bewusst geworden, dass die starke Zusammenarbeit der Aussteller und ihre persönliche Verwurzelung in der Region einen großen Vorteil für Mittelhessen darstellen. Im Gegensatz zu überregionalen Finanziers und Investoren führt die Kenntnis des regionalen Markts zu schnellen und qualitativ hochwertigen Investitionen und somit zu einer positiven Entwicklung der Region bei Gewerbe- und Wohnimmobilien.“

Alle Aussteller des Gemeinschaftsstandes unter http://exporeal.mittelhessen.eu

Praxisforum diskutiert Unterstützung
von Start-ups im ländlichen Raum

Jens Ihle in der Diskussionsrunde "Start-up! Unterstützungsangebote für Gründerinnen und Gründer"

Um die Attraktivität der Standorte außerhalb der Metropolen zu steigern, ist die Schaffung wohnortsnaher Arbeitsplätze essenziell. Bei dem Praxisforum „Start-ups: Ideenschmiede ländlicher Raum“ des Hessischen Ministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz wurden sowohl Förderprogramme für Unternehmen als auch Unterstützungsangebote für Gründerinnen und Gründer von der „Servicestelle Vitale Orte 2030“ vorgestellt.

Bei einer Gesprächsrunde mit Teilnehmern aus der Wirtschaftsförderung, Handwerkskammer und Hochschule wurde über die richtigen Ansätze zur Förderung debattiert. „Wir müssen wieder mehr Lust auf Unternehmensgründung machen“, forderte Jens Ihle, der Geschäftsführer der Regionalmanagement Mittelhessen GmbH. Ein dafür bewährtes Projekt sei beispielsweise das „Startup Weekend Mittelhessen“, welches vom Regionalmanagement jährlich organisiert wird. Jens Ihle richtete außerdem den Wunsch an die Politik, die Richtlinien zur Förderung auch auf Netzwerke auszurichten. Es müsse vermehrt ganzheitlich gedacht und die Schnittstellen gemanagt werden. Dem stimmte Uwe Eifert, Leiter der Stabstelle Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing der Stadt Alsfeld zu: die Vernetzung sei aus seiner Sicht eine Stärke des ländlichen Raumes, da sich die Menschen dort untereinander kennen.

Abgerundet wurde die Veranstaltung durch Praxisbeispiele von Startups: So berichtete Oliver Phillips, Mitgründer des erfolgreichen Jung-Unternehmens „muli-cycles GmbH“, welches kompakte Lastenräder herstellt, von seinen Gründer-Erfahrungen. Auch die Eheleute Schachner, welche jeweils in einem Großunternehmen arbeiteten, bevor sie kürzlich die Familienbäckerei in Schaafheim übernahmen, stellten Ihren Werdegang vor. Die Unternehmer zeigten sich dankbar für die von Ihnen in Anspruch genommenen Fördermittel, kritisierten jedoch den hohen bürokratischen Aufwand, welcher mit der Antragsstellung einhergeht.

Rund 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutierten und tauschten Erfahrungen aus. Die Präsentationen werden nach der Freigabe durch die Referentinnen und Referenten hier zur Verfügung gestellt.

Adriana Altaras und OK KID als
neue Botschafter Mittelhessens ernannt

Botschafter, Laudatoren und Vertreter des Regiionalmanagements Mittelhessen
Botschafter, Laudatoren und Vertreter des Regionalmanagements Mittelhessen mit Ministerpräsident Volker Bouffier (4.v.r.), Moderator Sebastian Mende vom RSV Lahn-Dill und Landtags-Vizepräsident Frank Lortz (2.u.1.v.r., Foto: Tilman Lochmüller)

Mittelhessen-Abend im Hessischen Landtag: Region bewirbt sich mit dem Thema eHealth als 5G-Modellregion

Beim 5. Mittelhessenabend des Regionalmanagements Mittelhessen ernannte der Vorsitzende des Vereins Mittelhessen, Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich die Schauspielerin und Autorin Adriana Altaras sowie die Band OK KID zu neuen Mittelhessen-Botschaftern. Über 150 Besucher waren der Einladung in den Hessischen Landtag gefolgt und erfuhren von Wolfram Dette, dem Vorsitzenden der Gesellschafterversammlung der Regionalmanagement Mittelhessen GmbH, dass sich die Region im Rahmen des 5G-Innovationsprogramms des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) mit dem Thema eHealth als Modellregion beworben hat.

„Wir wollen als Land zukunftsfähig sein, das schaffen wir aber nur, wenn wir in allen Regionen erfolgreich sind und nicht nur in den Metropolen,“ erklärte Ministerpräsident Volker Bouffier in seinem Grußwort, und ergänzte: „Deswegen ist die Kreativität und die Tatkraft des Regionalmanagements vor Ort für uns so wertvoll.“ Als Anerkennung dieses Erfolges habe die Landesregierung die institutionelle Förderung in eine dauerhafte umgewandelt, denn: „Wir brauchen Sie! Die breite Kooperation in der Region hilft allen“, so Bouffier. Wolfram Dette, ehrenamtlicher Kreisbeigeordneter des Lahn-Dill-Kreises betonte als Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der Regionalmanagement Mittelhessen GmbH eingedenk der Auflösung der Stadt Lahn vor 40 Jahren: „Unsere junge Region kann nicht durch Tradition, sondern nur durch Kooperation erfolgreich wirken.“

Region kann nicht durch Tradition, sondern nur durch Kooperation erfolgreich wirken

Eine solche durch das Regionalmanagement initiierte Kooperation sei die von vielen regionalen Beteiligten getragene Bewerbung als 5G-Modellregion. „Wir haben unsere Projektskizze „MeHR 5G“ genannt, damit meinen wir: „Mittelhessen eHealth Region 5G“. Diese Bewerbung sei vom Land Hessen unterstützt worden, ein Dankeschön gehe hier an die Digitalministerin Kristina Sinemus. Dass Mittelhessen im Bereich Gesundheits- bzw. Medizinwirtschaft generell stark aufgestellt sei, beweise die neue Website „Healthcare Mittelhessen“ Dieses inhaltliche Portal erzähle Geschichten und vernetze Akteure mit der Unterstützung der Hessen Trade and Invest und umgesetzt von der Agentur transquer. Als drittes Beispiel stellte Wolfram Dette das neue „Ökosytem Digital-Gründung-Innovation Mittelhessen“ (kurz DiGIMit) vor, mit dem das Regionalmanagement helfe, die Unternehmen fit für die Zukunft zu machen und zugleich die Startup-Region zu fördern. Das aus EU-Regionalfonds-Mitteln kofinanzierte Projekt beinhaltet auch einen eigenen „Kümmerer“: der neu eingestellte Mitarbeiter Benjamin Stuchly stellte sich persönlich vor.

Mit OK KID und Adriana Altaras 35 ehrenamtliche Mittelhessen-Botschafter

Persönlich anwesend waren auch die neuen Mittelhessen-Botschafter: die Schauspielerin, Regisseurin und Autorin Adriana Altaras, die als Tochter des ehemaligen Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde von Gießen, Jakob Altaras in Gießen aufgewachsen ist, zeigte sich begeistert von ihrer Ernennung: „In allen meinen Romanen kommt die Region vor, weil ich mit Gießen ein Gedenken der ersten Güte verbinde.“ Die Erfolgsautorin bringt derzeit den „Falstaff“ von Giuseppe Verdi am Theater Osnabrück als Regisseurin auf die Bühne. In seiner Laudatio erklärte Dow Aviv, der aktuelle Vorsitzende der jüdischen Gemeinde: „Mit ihren Büchern hat Adriana geholfen, den Deutschen die Angst vor den Juden zu nehmen. Sie zeigt, dass Erinnerung ein wichtiger Teil der Kultur ist, zugleich wirkt Ihr Humor befreiend.“

Auch die Mitglieder der Band OK KID sind in Gießen und Marburg aufgewachsen und scheuen sich nicht vor tiefgründigen deutschen Texten, wie Dietlind Grabe-Bolz als Laudatorin erklärte. „Trotzdem oder besser deswegen haben sie Erfolg: ihre Alben sind in den deutschen TOP 20“, ergänzte die Oberbürgermeisterin der „Stadt ohne Meer“, so ein OK KID-Song, in dem sie ihrer Heimat ein musikalisches Denkmal gesetzt haben. Die Band, die inzwischen in Köln lebt, hat ihre Herkunft nie verleugnet, im Gegenteil: „Wir wollten etwas zurück geben und haben deswegen 2018 erstmalig das „Stadt ohne Meer-Festival“ organisiert, ein Event, das uns selbst hier immer gefehlt hat“, erläuterte Jonas Schubert, der Sänger der Band. „Sie stehen für das junge und lebendige Mittelhessen“, so Grabe-Bolz.

Zu Beginn der Veranstaltung hatte Frank Lortz, Vizepräsident des Hessischen Landtags, die Mittelhessen als „die dynamisch-vernünftigen Hessen“ willkommen geheißen, Dr. Christoph Ullrich konnte zahlreiche neue Gesichter begrüßen. Der Verein Mittelhessen habe inzwischen 272 Mitglieder, so Ullrich, was einen neuen Höchststand bedeute: „Sie alle unterstützen die Region im Dialog, ebenso wie unsere inzwischen 35 Botschafterinnen und Botschafter.“