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Netzwerk Kommune
verabschiedet Walter Gerharz

Rainer Dietrich (links), Wirtschaftsförder der Stadt Wetzlar, verabschiedete Walter Gerharz, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Limburg-Weilburg-Diez GmbH, in seiner Funktion als Vorsitzender des Netzwerks Kommune Mittelhessen (Foto: Christian Piterek/Regionalmanagement Mittelhessen)
Rainer Dietrich (links), Wirtschaftsförder der Stadt Wetzlar, verabschiedete Walter Gerharz, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Limburg-Weilburg-Diez GmbH, in seiner Funktion als Vorsitzender des Netzwerks Kommune Mittelhessen (Foto: Christian Piterek/Regionalmanagement Mittelhessen)

Walter Gerharz, der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Limburg-Weilburg-Diez GmbH (WFG) geht am Jahresende 2021 in den Ruhestand. Dies nahm Rainer Dietrich, der Vorsitzende des Netzwerks Kommune im Regionalmanagement Mittelhessen zum Anlass, um seinen Stellvertreter zu verabschieden: „Walter Gerharz stand immer hinter der mittelhessischen Idee. Wir danken ihm für seinen Einsatz und seine stets kreative und zielführende Mitwirkung.“

Seit vielen Jahren arbeitet das Netzwerk als Zusammenschluss der Wirtschaftsförderungen der vier großen mittelhessischen Städte und der fünf Landkreise an Themen zur gemeinsamen Standortentwicklung und -Vermarktung. Walter Gerharz bedankte sich und gab das Kompliment zurück: „Ich war seit der Gründung des Regionalmanagements dabei und habe immer gerne in der gut funktionierenden Kooperation auf Mittelhessenebene gearbeitet.“ Unter anderem organisierte Gerharz für die WFG die Teilnahme der kommunalen Standpartner aus dem Landkreis Limburg-Weilburg beim Gemeinschaftsstand der Region Mittelhessen auf der internationalen Messe für Immobilien und Investitionen Expo Real.

Digitale Infrastruktur
für Mittelhessen gemeinsam gestalten

Tim Brauckmüller, Geschäftsführer der atene KOM GmbH, im Dialog mit den mittelhessischen Breitband-Verantwortlichen
Tim Brauckmüller, Geschäftsführer der atene KOM GmbH, im Dialog mit den mittelhessischen Breitband-Verantwortlichen

Tim Brauckmüller, Geschäftsführer der atene KOM GmbH, im Dialog mit den mittelhessischen Breitband-Verantwortlichen

Aktuell werden in Deutschland 177.000 km digitale Trassen verlegt, um Haushalte, Unternehmen, Bauernhöfe, Behörden und Bildungseinrichtungen ans Giganetz anzuschließen. Eine Mammutaufgabe für alle Ebenen des föderalen Systems in Deutschland. In Mittelhessen koordiniert die beim Regionalmanagement angesiedelte regionale Breitbandberatung seit 2009 die Zusammenarbeit der Landkreis-Koordinatoren, des Landes Hessen und des Bundes. Für den Bund verantwortet die atene KOM GmbH als Projektträger des Bundes für Hessen die Vergabe und das Management der Bundesförderung. Es gab also genug Themenfelder für die Diskussion mit dem atene KOM-Geschäftsführer Tim Brauckmüller:

Geplant in Präsenz, umgesetzt in hybrider Form aufgrund der pandemischen Lage, sprachen die Fachleute intensiv über den aktuellen Status, die Formen der Zusammenarbeit, aber auch die Chancen und Risiken der aktuellen Breitband-Ausbauprojekte in und für Mittelhessen. Für Tim Brauckmüller steht fest, dass das Kreiskoordinatorenmodell ein hessisches Erfolgsmodell sei. So hätten in Hessen bis heute rund 100 bewilligte Förderprojekte durchgeführt werden können. Durch die neue Fördersystematik der Grauen-Flecken-Förderung würde sich vieles ändern.  Ab dem 1. Januar 2023 werde die Aufgreifschwelle von 100 Mbit/s entfallen. Brauckmüller wörtlich: „Danach sind eigentlich nur noch Glasfaserverbindungen ins Haus förderfähig. Auch Gebiete, die bislang mit Supervectoring ausgebaut sind, können potentiell dann auch überbaut werden.“ Zukünftig werde auch für jeden einzelnen Haushalt bestimmt, ob dort eine Förderfähigkeit vorliege.

Einladung zum Breitband-Camp: Mittelhessen auf dem Weg zu Gigabit
am Dienstag, 7. Dezember 2021, 10-13:30 Uhr
online via GoToMeeting - limitierte Plätze
Speaker, Ablauf

Am Ende blieb die wenig überraschende Erkenntnis, dass das Thema "Digitale Infrastruktur" und die Anbindung der polyzentrischen Region Mittelhessen ans Giganetz die Verantwortlichen auch in Zukunft beschäftigen wird.

Startup Safari FrankfurtRheinMain
machte Station in Mittelhessen

"Mehr Mut auch zum Misserfolg": Staatssekretär Dr. Philipp Nimmermann bei der Eröffnung der Startup Safari FrankfurtRheinMain in Gießen. (Foto: Tilman Lochmüller)
"Mehr Mut auch zum Misserfolg": Staatssekretär Dr. Philipp Nimmermann bei der Eröffnung der Startup Safari FrankfurtRheinMain in Gießen. (Foto: Tilman Lochmüller)

"Wir brauchen Superspreader für Startup-Kultur." Mit diesem Aufruf hat am Mittwoch vergangener Woche Dr. Philipp Nimmermann, Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen, die mittelhessische Station bei der zweitägigen dezentralen "Startup Safari FrankfurtRheinMain" in seinem Impuls-Vortrag einen Akzent gesetzt. Die Safari fand zeitgleich in Gießen, Frankfurt, Wiesbaden, Mainz, Darmstadt und Offenbach statt. Der Foundershub Mittelhessen des Regionalmanagements war als Partner mit an Bord.

Carolin Wagner und Fabian Annich vom Veranstalter Station Frankfurt, einer regionalen Anlaufstelle für Startups und Innovatoren, freuten sich bei dieser fünften Auflage des Formats über einen Rekord von über 800 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die nicht nur live mit Hilfe von Shuttle-Bussen an den verschiedenen Event-Orten dabei waren, sondern auch online per Live-Stream. „Wir sind die größte dezentrale Veranstaltung für Startups und Innovatoren in Hessen und Frankfurt Rheinmain“, sagte Wagner.

Das Hybrid-Format an mehreren Orten zeige, dass Rheinmain mehr sei als Frankfurt und Wiesbaden, hob Nimmermann hervor, der in seinem Beitrag über die Startup-Strategie des Landes Hessen im Veranstaltungsraum des Co-Workingspace von SleevesUp! nicht nur an den Gründergeist angehender Unternehmerinnen und Unternehmer appellierte, sondern auch für mehr "Mut auch zu Misserfolgen" warb. Ohne diesen könne kein Startup-Ökosystem funktionieren. Insbesondere Startup, die sich um Nachhaltigkeit drehen, stellte er dabei in den Fokus, denn "wer soll uns sonst helfen bei den Herausforderungen der Zukunft."

Nimmermanns Superspreader-Analogie bezog sich auf die Idee der Vernetzung: „Wie kriegen wir den Wissenstransfer organisiert?“ Die Antwort sei, Knotenpunkte zu organisieren, an denen Wissenstransfer und Kooperation stattfinden kann, damit sich die Idee in ganz Hessen verbreitet - „eine umgekehrte Pandemie-Logik“. „Wir wollen Vernetzung fördern, damit Rückkopplungseffekte stattfinden und echte Kooperationen passieren“ – zum Beispiel zwischen Unternehmen und Hochschulen mit einer echten „Kooperationskultur“. „Das sind Aspekte, die wir vorantreiben wollen.“

Staatssekretär Dr. Philipp Nimmermann bei der Startup-Safari FrankfurtRheinMain (Foto: Tilman Lochmüller)
Staatssekretär Dr. Philipp Nimmermann bei der Startup-Safari FrankfurtRheinMain (Foto: Tilman Lochmüller)

Ein wichtiges Thema sei dabei Künstliche Intelligenz (KI), sagte der Staatssekretär. Im vergangenen Jahr sei daher hessian.AI gegründet worden, ein KI-Zusammenschluss der hessischen Hochschulen mit Sitz in Darmstadt. „KI ist die Querschnittstechnologie für das gesamte Ökosystem.“ Es gebe kaum noch jemanden, der keine Künstliche Intelligenz benutzt – von einfachen Anwendungen bis hin zu Deep Learning mit komplexen Algorithmen.

Ein Problem sei hingegen immer noch der Mangel an Wagniskapital: Obwohl es im Finanzzentrum Frankfurt genügend Geld gebe, fehle es an „Venture Capital“. Daher sei das Marketing des Startup-Ökosystems wichtig. „Wir müssen mehr ‚Awareness‘ schaffen.“ In der Endabstimmung mit dem Ministerium seien zudem auch Stipendien für Gründerinnen und Gründer. Neben dem Komplex „Social Entrepreneurship“, also Nachhaltigkeit in sozialer und ökologischer Hinsicht, erhob Nimmermann den Mut zum Scheitern, die Risikobereitschaft beim Gründen, zu einer „Bildungsfrage“.

Auch Keynote-Speaker Sebastian Jung vom Marburger Software-Hersteller weclapp, das eine Cloud-basierten ERP-Lösung anbietet, stellte in seinem Beitrag Menschen in den Mittelpunkt – nicht nur in Bezug auf das Produkt, bei dem es wichtig sei, „dass man das Problem beim Kunden löst“, sondern auch bei der Firmenkultur: „Unternehmen allein schaffen keine Werte, sondern die Menschen.“ Es sei wichtig, von „Anfang an Menschen zu begeistern, die Lust haben, etwas zu bewegen“. Dabei sei die „Struktur Unternehmen“ stets im Wandel begriffen; letztlich sollten Entscheidungen stets dort getroffen werden, wo das Wissen, nicht wo die Macht ist, machte Jung deutlich.

Sebastian Jung von weclapp beschreibt den Werdgang vom Startup zum Börsenkandidat. (Foto: Tilman Lochmüller)
Sebastian Jung von weclapp beschreibt den Werdgang des Unternehmens vom Startup zum Börsenkandidat. (Foto: Tilman Lochmüller)

Jung schilderte in seinem Beitrag den Werdegang von weclapp vom 2008 gegründeten Startup zum Börsenkandidaten mit mittlerweile drei Standorten, über 100 Angestellten und über 20.000 Nutzerinnen und Nutzer weltweit, die das „Enterprise Resource Planning“ (ERP) mit Hilfe der weclapp-Anwendung verwenden. Mit Hilfe des Kapitals der ebenfalls in Marburg beheimateten 3U Holding, konnte Gründer Ertan Özdil die Cloud-Lösung in fünf Jahren zur Marktreife bringen und schließlich zwei Jahre später auch Gewinne erwirtschaften. Damit ist weclapp eine echte mittelhessische Erfolgsgeschichte.

Aufsichtsrat beschließt Nachhaltigkeit
als Ziel für das Regionalmanagement

Aufsichtstratssitzung nach 2G-Regeln: Tim Pullmann, Geschäftsführer der Leitz Park Marketing GmbH (stehend) begrüßte die Aufsichtsratsmitglieder und stellte den Campus vor (Foto: Manuel Heinrich)
Aufsichtstratssitzung nach 2G-Regeln: Tim Pullmann, Geschäftsführer der Leitz Park Marketing GmbH (stehend) begrüßte die Aufsichtsratsmitglieder und stellte den Campus vor (Foto: Manuel Heinrich)

Bei ihrem dritten Treffen im Jahr 2021 beschlossen die 22 Aufsichtsräte der Regionalmanagement Mittelhessen GmbH die strategischen Ziele für die kommenden Jahre und den Wirtschaftsplan für 2022. Das Netzwerk für die Region soll zum einen die beiden Projekte umsetzen, die derzeit im Antragsstatus sind: Das Transformationsnetzwerk für Mittelhessen als Unterstützung für die Automotive-Branche und das regionale MINT-Cluster für die Bildung von Jugendlichen hängen inhaltlich eng zusammen, da das Interesse für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik eine Voraussetzung ist, um den Fachkräfteberdarf in den für Mittelhessen bedeutenden Branchen zu decken. Ganz neu verabschiedet wurde die Fokussierung auf Nachhaltigkeit als Querschnittsthema: das Regionalmanagement arbeitet seit jeher regional und nachhaltig, ab 2022 soll dies jedoch auch dokumentiert werden. Dies drückt sich unter anderem durch die Zusammenarbeit mit dem Land Hessen beim kommenden Regionalforum zum Thema aus:

Die Sitzung der 19 stimmberechtigten Gesellschafter und der drei beratenden Mitglieder - das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen, der DGB Mittelhessen und der Gießener Regierungspräsident - fand zum ersten Mal in der Leica Welt in Wetzlar statt: Tim Pullmann, Geschäftsführer der Leitz Park Marketing GmbH, stellte den Campus vor, der sich durch die Neu-Eröffnung des Ernst Leitz Museum noch mehr an Besucherinnen und Besucher aus der Region und der ganzen Welt richtet und dabei die Geschichte, Gegenwart und Zukunft der optischen Industrie erzählt. Als Museum zum Anfassen und Mitmachen ist die "interaktive Expedition zwischen Historie und innovativer Technologie" ein Ort, an dem sich MINT und Industriekultur treffen.

asdasd
Stefan Füll verabschiedet Dietlind Grabe-Bolz bei der 27. Sitzung des Aufsichtsrates seit der Gründung der GmbH (Foto: Manuel Heinrich)

Zum letzten Mal dabei war die Oberbürgermeisterin der Universitätsstadt Gießen: Stefan Füll, Präsident der Handwerkskammer Wiesbaden, verabschiedete in seiner Funktion als stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrates Dietlind Grabe-Bolz, die nicht mehr für die Wahl als Oberbürgermeisterin angetreten war. Sie vertritt die Stadt Gießen - eine von neun Kommunen in der Liste der Gesellschafter - seit der Gründung der GmbH im Jahr 2013. Als Dank überreichte ihr Füll ein Buchgeschenk mit den "schönsten Wanderungen in Mittelhessen".

Netzwerk Kommune will
"Innenstadt neu denken"

Marburgs Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies begrüßte die Teilnehmerinnen und Teilnehmerin bei "Innenstadt neu denken" im Hofgut Dagobertshausen. (Foto: Tilman Lochmüller)

Wie lässt sich der Strukturwandel in den mittelhessischen Innenstädten aktiv gestalten? Das war Thema einer Veranstaltung, zu der das Netzwerk Kommune Akteure aus Wirtschaft und Verwaltung am Donnerstag nach Dagobertshausen bei Marburg eingeladen hatte. Anhand von Keynotes und Workshop bekamen die rund 70 Gäste Gelegenheit, mehr darüber zu erfahren, wie Kommunen, Handel, Gastronomie, Kultur und Immobilienwirtschaft mit den Herausforderungen durch Onlinehandel und Verkehrswende umgehen können. Dabei gab es auch reichlich Raum für Diskussionen. Im Mittelpunkt standen dabei die Rolle der Kommunen und der Immobilienwirtschaft, Digitalisierung im Handel und aktuelle Konzepte und Entwicklungen in den mittelhessischen Städten. Kofinanziert wurde das Event von der Europäischen Union aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung.

Nach der Begrüßung durch Marburgs Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies setzten zwei Keynotes die ersten Akzente: Jürgen Block, Geschäftsführer der Bundesvereinigung City- und Stadtmarketing Deutschland e.V. (bcsd), referierte dazu, ob die Transformation der Innenstädte eine „Freiwillige Pflichtaufgabe der Kommunen sei“. Prof. Dr.-Ing. Nikolas Müller von der Technischen Universität Darmstadt mit dem Fachgebiet Immobilienwirtschaft und Betriebswirtschaftslehre sprach über Herausforderungen und Strategieansätze für eine nachhaltige Innenstadtentwicklung aus immobilienwirtschaftlicher Sicht (siehe Aufnahmen unten im Artikel).

Innenstadt neu denken in Dagobertshausen: Marburgs Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (o.l.), Prof. Dr.-Ing. Nikolas Müller (u.l.) und Jürgen Block (r.) (Fotos: Tilman Lochmüller)
Innenstadt neu denken in Dagobertshausen: Marburgs Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (o.l.), Prof. Dr.-Ing. Nikolas Müller (u.l.) und Jürgen Block (r.) (Fotos: Tilman Lochmüller)

In den Workshops hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Gelegenheit, mehr zu Schwerpunktthemen zu erfahren und zu diskutieren. In der Session „Neue Konzepte für Handel und Innenstadtimmobilien“ diskutierten Paula Vordemfelde, Geschäftsführerin vom Modehaus Koehler in Gießen, Jannik Müller, Projektmanager bei GAL Digital, und Jeremias Rockel, Geschäftsführer der zweikopf Agentur. Vordemfelde berichtete, wie das Modehaus Koehler sich als stationärer Einzelhandel gegenüber der Online-Konkurrenz durchsetzen will. Dabei spiele der Service vor Ort eine wichtige Rolle, betonte Vordemfelde – zum Beispiel durch persönliche Beratung mit Termin und Stilberatung nach Ladenschluss. Wichtig sei dabei eine gute Verknüpfung von Online- und Offline-Präsenz, zum Beispiel mit einer imagewirksamen Homepage und Social-Media-Kommunikation.

Einen universellen Ansatz, sich als Einzelhändler aber auch als Stadt in der digitalen Welt zu positionieren, gebe es aber nicht, betonte Jannik Müller. Zu viele Apps und digitale Angebote seien auch keine Lösung und würden eine Überlastung bewirken; besser sei es, sich hier zusammenzuschließen und gemeinsame Lösungen zu finden. Jeremias Rockel berichtete über ein aktuelles Projekt, bei dem ein alter ehemaliger Güterbahnhof zu einer Event-Location umgebaut wird. Auch für den Standort der eigenen Marketing- und Event-Agentur habe man ein altes Fachwerkhaus gewählt. Bei dem Wunsch, vor Ort aktiv zu werden, habe auch „die Verbundenheit zur eigenen Heimat“ eine Rolle gespielt.

Workshops in der Event-Scheune: Diskussionen über Konzepte und Zukunft von Handel und Immobilienwirtschaft in den Innenstädten (Fotos: Tilman Lochmüller)
Workshops in der Event-Scheune: Diskussionen über Konzepte und Zukunft von Handel und Immobilienwirtschaft in den Innenstädten (Fotos: Tilman Lochmüller)

Über das aktuelle Landesprogramm  „Zukunft Innenstadt“ des Landes Hessen berichtete Jan-Bernd Röllmann, Geschäftsführer des Stadtmarketings Marburg und Sprecher des bcsd Hessen, im Workshop „Zukunft Innenstadt“. Gefördert würden dabei innovative und nachhaltige Maßnahmen zur Belebung der Stadtzentren und Ortskerne. Frank Hölscheidt, Abteilungsleiter Wirtschaftsförderung der Stadt Gießen, berichtete über einen Prozess in der Universitätsstadt mit unter anderem den BIDs (Business Improvement Districts) der Innenstadt zu Beginn der Corona-Krise. In dem Prozess seien die wichtigsten Treiber für Veränderung mit ihren Auswirkungen bis 2030 identifiziert, besprochen und anschließend in ein „Zukunftsbild“ gegossen worden. In diesem Bild bleibt die Gießener Innenstadt ein „multifunktionaler Erlebnisraum“ – geprägt von der Zusammenarbeit der verschiedenen Innenstadt-Akteure.  

„Neue Stadtentwicklungskonzepte“ waren das Thema im dritten Workshop. Über Konzepte zur Entwicklung der Marburger Oberstadt  sprach Anna Kaczmarek-Kolb von der Stadt Marburg. In der bei Touristen beliebten Altstadt hätten sich neue Akteure angesiedelt, die nicht nur Handel betrieben, sondern auch „Begegnungen schaffen“ – zum Beispiel durch neue Gastronomieangebote. Gegen Leerstände geht die Stadt mit einem Bürgerbeteiligungsportal vor, auf dem diese gemeldet werden können. So habe die Stadt die Möglichkeit, schneller zu reagieren. Tourismus spielt auch in Wetzlar eine Rolle, wie Rainer Dietrich von der Wirtschaftsförderung der Stadt berichtete. Die Altstadt mit ihrem markanten Domplatz müsse für diese Zielgruppe attraktiv bleiben. Hier sollen mit einem Umbau drei „Domhöfe“ entstehen, mit Handel, Gastronomie und Wohnraum sowie einem Tourismuscenter und einer Musikschule.

Entwicklungskonzepte am Beispiel der Marburger Oberstadt: Angeregte Diskussionen unter der Teilnehmerinnen und Teilnehmern (Foto: Tilman Lochmüller)
Entwicklungskonzepte am Beispiel der Marburger Oberstadt: Angeregte Diskussionen unter der Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Rechts Rainer Dietrich, der die Erkenntnisse des Tages zum Schluss zusammenfasste. (Foto: Tilman Lochmüller)

Es sei gut, dass sich bedingt durch die Corona-Krise, „Kommunal- und Landespolitik endlich einmal mit dem Thema Innenstadt beschäftigt haben“, sagte Rainer Dietrich in einer abschließenden Stellungnahme zu der Veranstaltung. Das Förderprogramm „Zukunft Innenstadt“ des Landes sei ein Ergebnis dieses Prozesses. „Innenstädte sind der Spiegel unseres gesellschaftlichen Lebens“, betonte Dietrich. Mit der Veranstaltung „Innenstadt neu denken“ hätten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen guten Anfang gemacht „miteinander Denkanstöße zu bekommen“, wie Innenstädte attraktiv bleiben können und Urbanität neu entstehen kann.

Wichtig sei, vor Ort miteinander zusammen zu arbeiten und auch mit der Immobilienwirtschaft eine „Win-Win-Situation“ zu schaffen, um eine „positive Wechselwirkung zwischen Eigentümern, Nutzern und Produzenten“ zu erreichen. Dabei sei auch Rechtssicherheit für Investoren wichtig. Deutlich geworden sei auch, dass die Region stärker zusammenarbeiten und „die völlig unterschiedlichen Stärken der Städte und Gemeinden“ bündeln müsse, um auch der Metropolregion Frankfurt gegenüber stärker zu werden.

Keynotes

Jürgen Block bcsd e.V.: Transformation der Innenstädte: Freiwillige Pflichtaufgabe der Kommunen?

Dr.-Ing. Nikolas Müller: Herausforderungen und Strategieansätze für eine nachhaltige Innenstadtentwicklung aus immobilienwirtschaftlicher Sicht