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NWXnow Live-Talk mit mittelhessischen
Gründerpersönlichkeiten

Thema „Erfolgreiche Emanzipierung – zwei Fintech-Gründerpersönlichkeiten und ihr Denken“

Die Standort-Entscheidung für die berufliche Karriere ist auch eine „Frage des Mindsets“. Diese Feststellung von Isatu Waag (Gründerin und CEO von ecozins) führte beim NWXnow Live-Talk diesen Mittwoch direkt zu einer Reihe von Gründen, sich dabei für Mittelhessen zu entscheiden. Unter der souveränen Moderation von Prof. Sven Keller, Dekan der THM Business School, sprachen zwei THM-Absolventen zum Thema „Erfolgreiche Emanzipierung – zwei Fintech-Gründerpersönlichkeiten und ihr Denken“: Die beiden Gründer Waag und Dirk Rudolf (CO-CEO von FinTecSystems) machten dabei deutlich, dass die Region nicht nur Stärken bei Lebensqualität und Nähe zu Natur hat. Der Live-Talk wurde vom Regionalmanagement Mittelhessen mitveranstaltet.

Damit sich Mittelhessen als Region von seinen übergewichtigen Nachbarn in Nord und Süd emanzipiert, muss bei der „Berufswahl Mittelhessen in die Köpfe“, sagte Waag. Die Marburgerin rief dabei auch die Hochschulen auf, mehr dafür zu tun, ihren Studierenden Perspektiven in der Region aufzuzeigen. Auch wenn der bisherige intensive Austausch mit den Unis schon gut angefangen habe, „ist da noch mehr möglich“, sagte Rudolf und bot sich dabei selbst als Ansprechpartner an. Sein auf Infrastruktur im B2B-Bereich spezialisiertes Unternehmen mit insgesamt vier Standorten baut in Linden das größte Team auf. Die gute Verkehrsanbindung ist nur einer der Gründe dafür.

Vor allem die hohe Loyalität der Beschäftigten, mit der Know-how im Unternehmen gehalten werden kann, spielt laut Rudolf eine Rolle bei der Standort-Wahl – neben der eigenen familiären Verflechtung. Isatu Waag lobte auch die Arbeit des Regionalmanagement und seines Digital-Netzwerks, „dadurch entsteht Gründergeist“. Die ecozins-Gründerin, deren Schöpfung Investitionen in nachhaltige Energie-Projekte ermöglicht, ging aber auch auf die mittelständische Struktur Mittelhessens ein und sah hier große Chancen, Synergien mit innovativen Startups zu schaffen. „Das fängt schon in den Köpfen an“, sagte sie und appellierte auch an die Gesellschaft, neuen Ideen offener zu begegnen.

Offener und diverser sollen auch die Unternehmen werden, darüber waren sich Keller, Waag und Rudolf einig. „Da machen wir unbewusst schon vieles richtig“, sagte der FinTec-Systems-CEO und führte dies unter anderem auf „viel Austausch“ untereinander zurück – darunter auch in der Führung des Unternehmens, in dem auch eine Frau vertreten sei. Waag, die auch Vorsitzende des Netzwerks „Gründervirus“ in Marburg ist, antwortete auf Kellers Frage, wie sich Frauen besser behaupten können, „erst mal machen und Vorbilder suchen“. Ihr selbst hätte der Austausch mit Mentorinnen enorm geholfen. Auch die Schule könne in Zukunft mehr tun: Programmieren sollte bereits in der Schule so selbstverständlich unterrichtet werden, wie Lesen und Schreiben, forderte die Gründerin.

Vertrag mit Jens Ihle
um fünf Jahre verlängert

Gruppenbild mit Abstand: der Vorsitzende der Gesellschafterversammlung Wolfram Dette (1.v.l.) mit dem Vorsitzenden des Aufsichtsrates Rainer Schwarz (1.v.r.) der Regionalmanagement Mittelhessen GmbH, mit dem Vorsitzenden des Vereins Mittelhessen, Dr. Christoph Ullrich (2.v.r.) und Geschäftsführer Jens Ihle (am Pult)
Gruppenbild mit Abstand: der Vorsitzende der Gesellschafterversammlung Wolfram Dette (1.v.l.) mit dem Vorsitzenden des Aufsichtsrates Rainer Schwarz (1.v.r.) der Regionalmanagement Mittelhessen GmbH, mit dem Vorsitzenden des Vereins Mittelhessen, Dr. Christoph Ullrich (2.v.r.) und Geschäftsführer Jens Ihle (am Pult)

Regionalmanagement-Geschäftsführer steuert weiter GmbH und Verein

Jens Ihle, der Geschäftsführer der Regionalmanagement Mittelhessen GmbH steht weitere fünf Jahre an der Spitze der Gesellschaft, die als Zusammenschluss von Wirtschaft, Hochschulen und kommunalen Gebietskörperschaften 2013 gegründet wurde. Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung votierten einstimmig für eine fünfjährige Vertragsverlängerung mit dem 48-jährigen Diplom-Kaufmann. Dies teilte Wolfram Dette am Rande der Gesellschafterversammlung mit und erklärte: „Dieses Votum zeigt das Vertrauen der Gesellschafter in Jens Ihle und seine Fähigkeiten, Netzwerke zu schaffen. Wir sind sicher, dass sich mit ihm die Region weiter zum Nutzen der Menschen entwickelt.“ Dette, der ehrenamtliche Kreisbeigeordnete des Lahn-Dill-Kreis ist derzeit als Vertreter der Kommunen Vorsitzender der Gesellschafterversammlung. Von Seiten der Wirtschaft ergänzte der Präsident der IHK Gießen-Friedberg Rainer Schwarz: „Wir verlängern die erfolgreiche Zusammenarbeit mit Jens Ihle sehr gerne, da wir noch viele Projekte gemeinsam mit ihm und seinem Team realisieren wollen.“ Der Vorsitzende des Aufsichtsrates betont: „Seine gute Vernetzung ist die Grundlage für die zielgerichtete Arbeit des Regionalmanagements und dafür, die Region insbesondere im Prozess der Digitalisierung voran zu bringen.“

Jens Ihle ist in Personalunion Geschäftsführer der Regionalmanagement Mittelhessen GmbH und des Vereins Mittelhessen, dem Netzwerk unter dem Dach des Regionalmanagements, dessen Vorsitzender Dr. Christoph Ullrich erklärte: „GmbH und Verein arbeiten Seite an Seite mit dem gleichen Ziel. Ich freue mich sehr, dass wir gemeinsam die Zusammenarbeit mit Jens Ihle als Geschäftsführer verlängern können,“ so der Regierungspräsident.

Für die Region: Projekte und Fördermittel

Das Regionalmanagement ist für die Stärkung des Wirtschafts- und Wissenschaftsstandortes verantwortlich; dazu gehörten in den letzten Jahren der Gemeinschaftsstand auf der Expo Real und die Breitbandberatung für Mittelhessen, neue Themen-Portale für Karriere, Healthcare und Industriekultur sowie Projekte im Bereich Gründung, Innovation und Digitalisierung einschließlich der jeweiligen Kommunikation. Jens Ihle erklärt: „Ich freue mich über die Verlängerung meines Geschäftsführer-Vertrages und bedanke mich für das Vertrauen der Gesellschafter. In den letzten Jahren haben wir uns als Netzwerk für strategische Fragen, als Scharnier zwischen Land und Region sowie in der Folge als Plattform für Projekte weiterentwickelt. Das geht nur mit gutem Teamgeist und einem hohen Maß an Vertrauen. Das Team des Regionalmanagements weiß hierfür nicht nur die 22 Aufsichtsräte aus Wirtschaft, Kommunen und Hochschule hinter sich, sondern auch die über 500 Expertinnen und Experten in unseren Netzwerken und Arbeitskreisen. Allein 2020 konnten wir gemeinsam über 500.000 EUR an Drittmittel einwerben. Mit diesem Rückenwind gehen wir die Aufgaben und Projekte weiter an und haben dabei immer die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit Mittelhessens im Blick.“

Mittelhessen auf dem Weg
zum fortschrittlichen Datennetz

Gemeinsam mit dem Breitbandbüro des Landes Hessen, tauschen sich die Teilnehmer über den Stand des Breitbandausbaus aus.
Gemeinsam mit dem Breitbandbüro des Landes Hessen, tauschen sich die Teilnehmer über den Stand des Breitbandausbaus aus.

Das „Digitale Gigabit-Camp Mittelhessen“ zeigt aktuelle Entwicklungen und Potential in der Region 

Am 27. Oktober fand das Gigabit-Camp Mittelhessen statt. Auf Einladung des Regionalmanagement Mittelhessen und als Onlineformat fanden sich interessierte Teilnehmer zusammen, um sich über den aktuellen Stand des Breitbandausbaus in der Region zu informieren, sich auszutauschen und miteinander zu diskutieren.  

Mit dabei: Das Breitbandbüro des Landes Hessen, die Kompetenzstelle Mobilfunk, das Gigabitbüro des Bundes sowie die mittelhessische Breitbandberatung.  

Zu Beginn der Veranstaltung begrüßte Jens Ihle, Geschäftsführer des Regionalmanagements Mittelhessen, die Teilnehmer*innen und beschrieb die Notwendigkeit der Anbindung des Standorts ans Glasfasernetz. „Studien zeigen sehr deutlich, dass trotz oder gerade in Coronazeiten der Mittelstand einen starken Fokus auf Geschäftsmodellentwicklung und digitale Transformationen von Unternehmensprozessen hat und zunehmend haben wird“, so Ihle. Für die Bewältigung der Herausforderungen brauche man in der Region und im Land gute Abstimmung und Kooperation. „Und die garantiert unsere regionale Breitbandberatung“, so Ihle, und übergab an Wolfram Koch, Leiter des Breitbandbüro Hessen bei Hessen Trade & Invest. 

Die digitale Infrastruktur in Hessen bewährt sich – Weiterentwicklung steht bevor 

Koch informierte die Teilnehmer über den Status quo des Gigabit- und Mobilfunkausbaus in Hessen. Laut Koch sei der Breitbandausbau in Hessen überaus gut gemeistert worden: Seit Beginn der Corona-Pandemie habe es dank der digitalen Infrastruktur keine größeren Netzausfälle gegeben. Aus diesem Grund sei es so wichtig, die Infrastruktur wie bisher weiterzuentwickeln. Ihre Bedeutung unterstreicht Koch weiter mit einer Studie von atene KOM und des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI): Bereits Ende 2019 verfügten 92,3 Prozent der hessischen Haushalte über einen Internetanschluss mit mindestens 50 Mbit/s und liege damit über dem Bundesdurchschnitt (91,9 Prozent). Ähnlich sehe es auch in Gewerbegebieten aus, wobei hier oft der Wunsch bestehe, die bestehenden Verbindungen aufzurüsten.  

Bei der Versorgung des Landes mit Gigabit (1.000 Mbit/s und mehr) sieht Koch großes Verbesserungspotential. In Hessen können nur etwa 25,5 Prozent der Haushalte mit Gigabit versorgt werden, im bundesweiten Vergleich stehe Hessen damit auf dem zehnten Platz. An dieser Stelle könne vor allem der zunehmende Fernsehkabelausbau dazu beitragen, schon bald die 60-Prozent-Marke zu erreichen. Im nächsten Schritt sei ein flächendeckender FTTP-Ausbau das Ziel, der auch in der Gigabitstrategie des Landes verankert sei. 

Der erste Schritt in Richtung flächendeckenden Breitbandausbau sei nun abgeschlossen, so Koch. Der nächste Schritt sei der Glasfaserausbau, der aber durch Bestimmungen des Bundes erst 2023 großflächig in Angriff genommen werden könne. Dabei sollen Synergien mit dem Mobilfunkausbau und dem Planungssystem „GigaMaP“ genutzt werden, um den Ausbauprozess zu optimieren. Generelles Ziel bleibe es weiterhin, die Netze zu verdichten und den FTTP-Ausbau in den Kommunen zu fördern. Dies sei wichtig, um Unternehmen zukünftig in der Region anzusiedeln und halten zu können. 

Ausbau des Mobilfunknetzes kommt gut voran 

Im Anschluss übernahm Knut Ehrhardt von der Kompetenzstelle Mobilfunk bei Hessen Trade & Invest um die Teilnehmer über den Stand des Mobilfunks in Hessen sowie über das hessische Mobilfunkförderprogramm zu informieren. Ehrhardt erklärt, dass ein leistungsfähiges LTE-Netz gebraucht werde, da die Bevölkerung immer mehr auf gute Datenverbindungen im Alltag angewiesen sei. Dementsprechend starte aktuell mit dem 5G-Rollout in Hessen die Vorbereitung auf die Technologie von morgen. Der Mobilfunkausbau erfolge über 3 Ebenen: Der marktgetriebenen Ebene (überall dort, wo Unternehmen eigenfinanziert ausbauen), über das hessische Mobilfunkförderprogramm und die Versorgungsauflagen des Bundes bzw. die Bundesstrategie.  

In Hessen gebe es zusätzlich als einziges Bundesland seit 2018 einen Mobilfunkpakt zwischen der Landesregierung und den Netzbetreibern, der den Ausbau darüber hinaus dort unterstützt, wo der marktgetriebene Ausbau nicht vorankomme. Eben dieser Ausbau werde durch die in diesem Pakt verankerten Ziele von 800 neuen und 4.000 aufgerüsteten Standorten komme enorm gefördert: Im Juli 2020 seien nach einem Jahr bereits 220 neue Standorte geschaffen und 2.642 bestehende Standorte aufgerüstet worden.  

Innerhalb der Bundesstrategie gebe es noch Versorgungsauflagen, die bis 2024 für den Ausbau des LTE-Netzes gelten. Ebenso habe der Bund sein eigenes Förderprogramm über 1,1 Milliarden Euro initiiert, das von der dafür gegründeten Mobilfunkinfrastrukturgesellschaft (MIG) verwaltet werden soll – wann das Bundesförderprogramm starte, sei bisher jedoch unklar.  

Darüber hinaus habe Hessen neben Bayern als einziges Bundesland ein eigenes Förderprogramm geplant. Durch dieses sollen mit etwa 50 Millionen Euro 300 neue Standorte in den „weißen Flecken“ im Sprachmobilfunk errichtet werden - das entspreche etwa 500.000 Euro pro Kommune. Bei interkommunaler Zusammenarbeit könne die Förderungssumme sogar um 50.000 Euro erhöht werden. Der Start des Programms ist noch für dieses Jahr geplant, aktuell befinde es sich noch im Notifizierungsprozess 

Ein wichtiger Punkt im hessischen Mobilfunkpakt sei die Anpassung der hessischen Bauordnung, in der die Modernisierung und der Neubau von Mobilfunkstandorten fest verankert sei. Diese Anpassung biete besondere Mehrwerte durch die Erhöhung der Genehmigungsfreiheit eines Standortes von 10 auf 15 Meter und die Verringerung der Abstandsflächen von 0,4 Hektar auf 0,2 Hektar. Diese Anpassungen beschleunigen und vereinfachen laut Ehrhardt den Mobilfunkausbau insofern, als dass so die Standortsuche für Masten erleichtert, der Verwaltungsaufwand reduziert und das Mobilfunknetz verdichtet werden kann. 

Des Weiteren starte das hessische Ministerium für Digitale Strategie und Entwicklung eine Dialogoffensive über mehrere Ebenen, um im Mobilfunkausbau Transparenz zwischen Land und Kommune zu schaffen. 

Bedarf an Breitband steigt immer weiter 

Darauffolgend erzählte Sven Butler vom Bundesbreitbandbüro über den Gigabit- und Mobilfunkausbau in Deutschland. Butler berichtete von der neu erschienenen BREKO Marktanalyse, die nachweist, wie sich der Breitbandmarkt in Deutschland immer weiterentwickelt: Während im Jahr 2014 das verbrauchte Festnetz-Datenvolumen pro Anschluss und Monat durchschnittlich bei 34 Gigabyte lag, stieg die Zahl bis 2019 stark auf 132 Gigabyte an. Laut dieser Analyse soll diese Zahl bis 2025 jährlich im Durchschnitt um etwa 30% wachsen und auf 677 Gigabyte steigen. Daraus leite sich klar ein größerer Bedarf an Bandbreite ab, weshalb der geplante FTTP-Ausbau in Hessen in die richtige Richtung gehe. Gleichzeitig wachse die mobile Datennutzung fast gleichbleibend mit. 

Neben dem Volumen sei ebenfalls der Bedarf an schnellem Internet gestiegen. Sowohl Bestandskunden als auch Neukunden haben seit Beginn der Corona-Pandemie vermehrt nach schnelleren Internetanschlüssen gefragt. Dies sei darauf zurückzuführen, dass vermehrt geschäftliche und private Aktivitäten von Zuhause stattfinden. Es werden immer häufiger eher direkt höhere Verbindungsgeschwindigkeiten gebucht, als niedrigere Anschlüsse im Nachhinein aufzustocken. Dass der Bedarf an dieser Stelle stetig wächst sei für uns alle, die das Thema vorantreiben, eine erfreuliche Information“, so Butler. Ebenso erfreulich sei, dass landesweit ein großer eigenwirtschaftlicher Ausbau durch Landkreise oder Stadtwerke stattfinde und so vieles von Förderungsmaßnahmen unabhängig sei. Dennoch werde das Gigabitbüro einen Antrag an das Programm „Graue-Flecken-Förderung“ des Bundes stellen, sobald dieses verfügbar ist, um den Gigabitausbau zu stärken. 

eHealth als mittelhessisches Treiber-Projekt 

Abschließend informierte Dennis Pucher, regionaler Breitbandberater, über die Vorteile von flächendeckender Mobilabdeckung und wie die ausgebauten Verbindungen aktiv genutzt werden können. 

Mittelhessen ist ein Labor, in dem viele verschiedene Akteure in einer heterogenen Umgebung zusammenarbeiten“, so Pucher. Dennoch gebe es weder hier noch europaweit aktive Treiber für die 5G-Technik, was in anderen Teilen der Welt anders aussehe. Beispielsweise sei Online-Gaming in Asien ein wichtiger und schnellwachsender Markt, der deshalb als führender Treiber für 5G fungiere. In den USA habe diese Rolle das mobile Streaming, welches eine hohe Nachfrage an 5G und größeren Bandbreiten erzeuge. 

Vor diesem Hintergrund habe der Bund als Fördermittelgeber Anwendungen gefordert, die durch ihre Wichtigkeit für die Bevölkerung als Treiber in Deutschland funktionieren könnten. Pucher erklärt, dass sich Mittelhessen durch den Schulterschluss mit verschiedenen regionalen Institutionen demensprechend mit dem Thema eHealth positioniere: Mit dem Projekt „MeHR 5G“ (Mittelhessische eHealth Region 5G) habe man beim 5G-Innovationswettbewerb teilgenommen. Innerhalb dieses Projektes habe man zwei Fallbeispiele angeführt, in denen die Nutzung des Gesundheitssystems effizienter gestaltet werden könne, indem man verschiedene digitale Faktoren wie Sensorikfelder, Smartphone, Apps, ein Notfall-HUB und mobilen Daten vernetzend nutzt. 

Im Anschluss endete die Veranstaltung nach einer sehr von Teilnehmerfragen angeregten Diskussion. 

 

Stroh-Pellet-Idee gewinnt
beim Startup Weekend Mittelhessen

Das spätere Sieger-Team mit Florian Schäfer und Swen Ciupke pitcht mit "Strellets" während des Online-Startup-Weekends Mittelhessen am vergangenen Sonntag eine Idee zu Pellets zum Heizen aus Stroh.

Mittelhessischer Gründer-Wettbewerb kurzfristig ins Internet verlegt – acht Teams und annäherend  70 Teilnehmer  - Futur@ Marburg mit hochkarätigem Panel dabei

Mit der Strohpellet-Idee von „Strellets“ haben Florian Schäfer und Swen Ciupke am vergangenen Sonntag (8.11.2020) den 1. Platz beim diesjährigen Startup Weekend Mittelhessen (SWMH) belegt. Wegen der Corona-Pandemie stellte das Duo seine Entwicklung der Jury in einem Online-Pitch vor; das Team der Regionalmanagement Mittelhessen GmbH (RMG) hatte als Veranstalter die ursprünglich in Marburg geplante Veranstaltung in einem Kraftakt auf eine kurzfristig eingerichtete Online-Plattform verlegt. Den 2. Platz belegte „Quicktaste“ von Beatriz Silva und Mark Arnold – ein Startup, das mit seiner Saucen-Entwicklung vegane Küche einfacher und abwechslungsreicher machen will. In die Top 3 schaffte es auch „KittyPitts“, dessen Macher Josh Becker die Corona-Lockdown-Erfahrung mit seiner Katze in ein steckbares Karton-Klettersystem für Stubentiger gegossen hat. In der Jury saßen Sophie Cyriax (Elkamet Kunststofftechnik GmbH), Stefan Maas (CEO der Pitch Club AG), Nora Schimang (CEO von CodeDoor) und Startup-Weekend-Initiator Martin Lacroix. Benjamin Stuchly, Ökosystemmanager für Digitales, Gründung und Innovation beim Regionalmanagement Mittelhessen, moderierte das Online-Event.

Ein „starkes Netzwerk von Partnern“ habe das diesjährige Startup Weekend Mittelhessen trotz der Schwierigkeiten möglich gemacht, sagte RMG-Geschäftsführer Jens Ihle zum Auftakt des Events am Freitag und hob dabei insbesondere die hessische Wirtschaftsförderung HTAI (Hessen Trade & Invest) hervor. Dass die Veranstaltung so kurzfristig ins Internet verlegt werden konnte, ist der Zusammenarbeit mit Sven Herchenhein von der efec AG zu verdanken, der das neuentwickeltes Konferenztool HelloSpaces bereitstellte. Vertreten war auch das Gründungs- und Netzwerkevent Futur@ Marburg mit einem hochkarätig besetzen Panel am Sonntag unmittelbar nach den Wettbewerb-Pitches. „Wir haben eine Gründer-DNA", sagte Ihle und verwies auf „Aushängeschilder“ der Region wie Kamera-Pionier Leica, Justus Liebigs Fleischextrakt und Emil von Behring, in dessen Tradition am Pharma-Standort Marburg zurzeit an einer weltweit beachteten Corona-Schutzimpfung gearbeitet wird.

Benjamin Stuchly, Ökosystemmanager für Digitales, Gründung und Innovation beim Regionalmanagement Mittelhessen moderierte das Startup Weekend Mittelhessen.
Benjamin Stuchly, Ökosystemmanager für Digitales, Gründung und Innovation beim Regionalmanagement Mittelhessen, moderierte das Startup Weekend Mittelhessen.

Um den acht teilnehmenden Teams einen gute Einstieg zu bieten, startete das Weekend mit einer Einführung von Pedro Ferreira, Ecosystem Builder, verantwortlich für Xperience Plus und Initiator von Frankfurt Valley, über das Business-Model Canvas – ein Basis-Rüstzeug, um Geschäftsmodelle entwickeln und beschreiben zu können. Mit ihrer Keynote beschrieb anschließend Farina Schurzfeld ihren eigenen Weg als Gründerin: Mit Selfapy hat sie die führenden deutsche Plattform für Unterstützung bei psychischen Belastungen entwickelt, war zuvor unter anderem für den deutschen Inkubator Rocket Internet am Aufbau der Rabatt-Plattform Groupon beteiligt. „Gründen muss nicht jeder erlebt haben“, machte Schurzfeld deutlich, „denn dafür muss man der Typ sein.“ Zahlreiche Hindernisse pflasterten den Weg erfolgreicher Entrepreneure. „Fehler mache gehört beim Gründen dazu“, sollte unter Umständen sogar Spaß machen und als „Learning“ verstanden werden.

Schurzfeld rief dazu auf, mit seinen Ideen nicht hinter dem Berg zu halten, sondern sie im Gegenteil vor vielen Menschen zu pitchen: „Das Ideen-Ping-Pong bringt euch weiter“, rief sie den Gründerinnen und Gründern zu. „Das Schwere ist die Execution.“ Dazu seien gute Netzwerke hilfreich, denn „meistens erfindet ihr das Rad nicht neu.“ Schurzfeld riet auch zu Vorsicht bei Risikokapitalgebern. „Versetzt Euch in die Lage des Investors“, der Druck durch dessen Einsatz „kann die Stimmung im Unternehmen verändern“. Manchmal reiche auch ein Bankdarlehen. Und: „Es gibt viele Förderungen“ – gerade bei Gründungen aus Universitäten.

In das gleiche Horn stießen auch die Teilnehmer am Futur@-Panel am Sonntag: „Wir haben ein gutes öffentliches Gründungswesen“, sagte Prof. Dr. Thomas Armbrüster, Leiter des Instituts für Wissensmanagement und Personalführung an der Universität Marburg und Inhaber der Prof. Armbrüster Leadership Services GmbH. Auch der StartHub Hessen der HTAI werde „intensiv das Ökosystem bearbeiten“ und wolle an den Universitäten Gründer unterstützen, sagte Rolf Krämer, Referatsleiter Start-Ups, Kultur- und Kreativwirtschaft beim Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen – unter anderem mit einer Personal-Stelle für Förderberatung. Isatu Waag, CEO ecozins, machte deutlich, dass Startups auch Durchhaltevermögen brauchen. Beim Thema Nachhaltigkeit sei Mittelhessen mit seinen Green-Tech-Unternehmen gut aufgestellt, „ein großes Cluster mit Zukunft.“ Chancen, die auch mögliche Geldgeber interessieren könnten: Andreas Lukic kündigte an, dass es ab 2021 einen Business-Angels-Mittelhessen-Verein geben werde. In enger Kooperation mit den Business Angels in Rhein-Main wolle man so Investoren mit Startups aus Mittelhessen besser verbinden.

Annäherend 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten sich zum Startup Weekend online eingeloggt.
Annäherend 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten sich zum Startup Weekend online eingeloggt.

Alle Panelisten machten zudem wie Farina Schurzfeld zwei Tage zuvor deutlich, dass Gründer keine Angst haben sollten, ihre Idee so oft wie möglich vor anderen Menschen zu präsentieren. Stefan Oberhansl, CEO der Beteiligungsgesellschaft Gerina AG, berichtete vom eigenen Pitch einer App vor seinem Großeltern. „Sie haben es verstanden“ – was er als gutes Zeichen für die weitere Entwicklung deutete. Andreas Lukic, Vorstandsvorsitzender Business Angels FrankfurtRheinMain e.V., erinnerte Startups daran, zuerst in ein gutes Team zu investieren. „Der Rest kommt dann schon.“ Auch Krisen wie die derzeitige Pandemie sollten nicht allzu ernst genommen werden, denn „alles geht vorbei“. Wichtig sei es, sich nicht entmutigen zu lassen und den Blick nach vorne zu richten.

Arbeitskreise des Regionalmanagements
treffen Personalverantwortlichen

Am vergangenen Mittwoch trafen sich Mitglieder der Arbeitskreise "Arbeitskreis Neue Wege zur Fachkräftesicherung" und "Arbeitskreis Willkommenskultur" mit Personalverantwortlichen, um sich über das Thema "Strategische Personalarbeit in schwierigen Zeiten" auszutauschen. Ursprünglich als Präsenzveranstaltung geplant, wurde das Treffen kurzfristig auf Grund der sich zuspitzenden Corvid19-Pandemie in den virtuellen Raum verlegt. Die knapp 20 Teilnehmenden informierten sich über die verschiedenen Themen und Angebote des Regionalmanagements und seiner Arbeitskreise.

Christian Bernhard, IHK Lahn-Dill stellte die Aktivitäten des Arbeitskreises Willkommenskultur vor, u.a. die Newcomers Days @... Eventreihe zur Begrüßung von Fach- und Führungskräften, die neu in Mittelhessen sind.

Frank Schmidt, ZAUG gGmbH stellte den Arbeitskreises "Neue Wege zur Fachkräftesicherung" vor, der sich insbesondere mit den Themen Nachqualifizierung, Teilzeitausbildung und Berufsrückkehr beschäftigt, in jüngster Zeit aber auch neue Themen wie Unternehmenskultur und Digitalisierung ebenfalls in den Fokus genommen hat. Der Arbeitskreis hat dazu bereits verschiedene Workshops für Personalverantwortliche veranstaltet und Lernvideos und Fachartikel erstellt.

Anschließend gab Jens Ihle einen Einblick in die Themen "New Work und Recruitung". In diesem Feld arbeitet das Regionalmanagement seit einigen Jahren erfolgreich mit Kooperationspartnern zusammen. Die Jobplattform "Karriere-Mittelhessen.de" wird seit zwei Jahren in Kooperation mit der ontavio GmbH umgesetzt. Mehr als 170 Unternehmen und monatlich mehr als 7.000 Besucher_innen nutzen die Plattform. Beim Thema New Work arbeitet das Regionalmanagement eng mit der New Work SE (ehemals Xing) zusammen. Die jüngste Kooperation besteht darin, dass das Regionalmanagement alle sechs Wochen eine NWX.now-Session übernimmt und dort heimische New Work-Pioniere interviewt.