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Kultur trifft Industrie
bei Seidel in Fronhausen

Prof. Dr. Otto Volk vom Hessischen Landesamt für geschichtliche Landeskunde stellt die Datenbank zur Route der Industriekultur in Mittelhessen vor

Regionalmanagement Mittelhessen eröffnet Tage der Industriekultur bei Seidel in Fronhausen – 300 Objekte industrieller Vergangenheit und Gegenwart im Internet abrufbar

Mit der Veranstaltung „Kultur trifft Industrie“ des Regionalmanagements am Donnerstag vergangener Woche wurden sie eröffnet, den Abschluss fanden die 1. Tage der Industriekultur in Mittelhessen am Sonntag-Nachmittag mit einer Wanderung durch das Gelände der ehemaligen Sprengstofffabrik WASAG in Stadtallendorf. „Mit dieser Bandbreite an Veranstaltungen wollen wir die Menschen für die industrielle Vergangenheit und Gegenwart unserer Region sensibilisieren und Industriekultur erlebbar machen“, sagte Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich, Vorsitzender des Vereins Mittelhessen, am Donnerstag bei der Firma Seidel in Fronhausen. Prof. Dr. Otto Volk, ehrenamtlicher Leiter des Arbeitskreises Industriekultur beim Regionalmanagement und ehemals am Hessischen Landesamt für geschichtliche Landeskunde beschäftigt, stellte aus diesem Anlass die Datenbank zur Route der Industriekultur in Mittelhessen vor, die ab sofort Informationen zu 300 Objekten vergangener und aktueller industrieller Kultur der Region zugänglich macht.

„Mittelhessen ist ein bedeutender Produktions-Standort“ und sei dies bereits gewesen, seitdem in der Region Erz und andere Metalle gefördert worden seien, sagte Ullrich. „Bis heute ist diese industrielle Epoche sichtbar durch Fabrikanlagen und Werkstätten, Arbeitersiedlungen und Fabrikantenvillen sowie Verkehrswege zu Land und zu Wasser.“ 2013 habe Prof. Volk die Idee einer Route der Industriekultur an den Verein Mittelhessen herangetragen, der daraufhin mit einem Arbeitskreis ein Konzept für die Region erarbeitet habe. Unter www.industriekultur-mittelhessen.de ist nun die Datenbank der Route mit den Objekten und ihren jeweiligen Beiträgen zur Industriegeschichte abrufbar sowie die thematischen Museen der Region. Neben der Website sei künftig auch eine App geplant, mit der sich Benutzer unter anderem „ihre“ Route mit Orten zusammenstellen können, die sie besonders interessieren, sagte der Mittelhessen-Vorsitzende.

Führung im Wetzlarer Viseum während der 1. Tage der Industriekultur in Mittelhessen.

„Es war ein langer Weg“, sagte Volk über die Entstehungsgeschichte des Projekts. Ausgangspunkte seien ein Seminar an der Marburger Universität und eine mit Studierenden konzipierte Ausstellung „Industriekultur an Lahn und Dill“ gemeinsam mit seinem Marburger Kollegen Prof. Dr. Christian Kleinschmidt gewesen. Die aus diesen Anfängen nun resultierende Datenbank sei das Ergebnis von „viel Arbeit“ – die noch nicht fertig sei „und wahrscheinlich auch niemals ganz fertig wird“.
Der Kulturreferent Dr. Markus Morr präsentierte die Pläne des Landkreises Marburg-Biedenkopf, bis 2021 eine „Route der Arbeits- und Industriekultur Marburg-Biedenkopf“ einzurichten. Als eigenständiger Teil des Projekts setze sie Schwerpunkte durch den Ausbau von fünf Ankerpunkten und mehreren Informationspunkten als außerschulische Lernorte und touristische Anlaufpunkte.

Für den Gastgeber betonte Seidel-Prokuristin Pia Meier die Bedeutung von Wandlungsfähigkeit für eine moderne Industriekultur: „Wenn man was werden will, was man noch nicht ist, muss man Dinge tun, die man bisher noch nicht getan hat.“ So habe sich Seidel seit der Gründung 1830 vom Hersteller von Zinnsoldaten und Wärmflaschen-Verschlüssen zum Unternehmen entwickelt, dass heute alleine mit seinen Verpackungsdesigns für die Kosmetikindustrie 65 Millionen Euro umsetze. „Zur Industriekultur gehört auch die Unternehmenskultur, und die wird hauptsächlich durch die Angestellten geprägt“, fügte die Personalverantwortliche hinzu. „Die Mitarbeiter sind das Wichtigste“. Diese Kultur lebe das Unternehmen unter anderem auch durch sein Engagement in der Ausbildung: Jedes Jahr bietet Seidel einen Platz für einen Auszubildenden, „den sonst niemand nehmen möchte“. Dieser werde dann innerbetrieblich so lange intensiv betreut, bis er die notwendigen Prüfungen bestehe.

Die ersten Tage der Industriekultur, die seit Donnerstag als erster Schritt hin zu einer Route der Industriekultur stattfinden, versammelten über 40 Veranstalter mit Angeboten in allen fünf mittelhessischen Landkreisen: Es gab Führungen in produzierenden Unternehmen und in industriellen Denkmälern, aber auch Vorträge und Ausstellungen in Museen, Wanderungen in der Landschaft, in der Bergbau und Steinbrüche erkundet werden konnten. „Wir sind über die Resonanz bei den ersten Tagen der Industriekultur sehr froh und freuen uns, dass wir sprichwörtlich ‚offene Türen‘ vorgefunden haben“, resümierte Ullrich. „Ich bedanke mich bei allen, die mitgemacht haben, sowohl den Anbietern als auch den Besuchern.“ Nun werte man die Rückmeldungen aus, „um die nächste Auflage noch besser zu machen.“